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Am Samstag, den 19. September, ist es wieder so weit: Punkt 12 Uhr schlägt Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause das erste Fass im Schottenhamel-Festzelt an, ruft „O’zapft is!“ und eröffnet damit offiziell das 191. Oktoberfest. Bis zum 4. Oktober verwandelt sich die Theresienwiese wieder in das größte Volksfest der Welt. Was viele nicht wissen: Der Schwung dieser Tradition schwappt inzwischen jeden Herbst auch bis in den Westerwald, wo gleich mehrere eigene Wiesn-Termine im Kalender stehen.
Der Wiesn-Anstich ist seit 1950 fester Bestandteil der Eröffnung und findet traditionell im Schottenhamel-Festzelt statt, dem ältesten Zelt auf dem Festgelände. Der amtierende Oberbürgermeister zapft dabei mit möglichst wenigen Schlägen das erste Fass an, der Rekord liegt bei nur zwei Schlägen, aufgestellt gleich zweimal von früheren Amtsträgern. Nach altem Brauch wird die erste Maß anschließend dem bayerischen Ministerpräsidenten gereicht.
Zwölf Böllerschüsse vor der Bavaria-Statue geben danach in allen übrigen Zelten den Bierausschank frei, auch wenn diese schon ab 9 Uhr morgens geöffnet haben. Die 191. Ausgabe der Wiesn dauert 16 Tage, verteilt sich auf 17 große und 21 kleine Festzelte und zieht traditionell mehrere Millionen Gäste aus aller Welt an, ein Ausmaß, das kein anderes Volksfest erreicht.
Die Tradition des Anstichs im Schottenhamel-Zelt geht auf das Jahr 1950 zurück, als der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer der Überlieferung nach kurzfristig umdisponierte: Nach der Eröffnung einer Messe auf der Theresienhöhe nahm er bei strömendem Regen den kürzesten Weg zum nächstgelegenen Zelt, dem Schottenhamel, und schlug dort erstmals offiziell das Fass an. Ob sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, lässt sich nicht mehr lückenlos belegen, seither ist die Festhalle aber der feste Ort für dieses Ritual geblieben. Schon am Vormittag zieht traditionell der „Einzug der Wiesnwirte“ mit Brauereien, Musikkapellen und geschmückten Pferdegespannen vom Münchner Zentrum zur Theresienwiese, ein farbenfrohes Schauspiel, das viele Besucher schon vor dem eigentlichen Anstich anlockt.
Dass ausgerechnet ein bayerisches Fest bundesweit Nachahmer findet, hat mehrere Gründe. Fernsehübertragungen des Anstichs, die mediale Dauerpräsenz der Wiesn und ein allgemeines Faible für Blasmusik, Dirndl und Lederhosen haben aus dem Münchner Original längst ein deutschlandweites Lebensgefühl gemacht. In den vergangenen Jahren sind deshalb in nahezu jeder größeren Stadt und vielen kleineren Gemeinden eigene Oktoberfest-Varianten entstanden, oft organisiert von örtlichen Vereinen, Stadtmarketing-Gesellschaften oder Brauereien.
Auch der Westerwald bildet da keine Ausnahme: Gleich mehrere Kommunen der Region haben feste Wiesn-Termine im Herbstkalender verankert, die inzwischen zu echten Publikumsmagneten geworden sind. Ein Grund dafür dürfte auch der Preis sein: Während eine Maß Bier auf der Münchner Wiesn 2025 zwischen 13,60 und 15,30 Euro kostete, fallen die Eintritts- und Getränkepreise bei den regionalen Varianten meist deutlich moderater aus, ein Wiesn-Erlebnis muss also nicht zwingend eine Reise nach Bayern bedeuten.
Das nach eigenen Angaben größte Oktoberfest im Westerwaldkreis findet in Montabaur statt. Auf der Eichwiese wird vom 23. bis 25. Oktober gefeiert, mit Abendveranstaltungen am Freitag und Samstag sowie einem zünftigen Weißwurstfrühstück am Sonntag. Heimische Blasorchester wie der Musikverein Daubach sorgen für die musikalische Einstimmung, bevor Partybands die Stimmung im Festzelt weiter anheizen. Was einst als kleinere Veranstaltung begann, hat sich mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Kulturprogramms der Kreisstadt entwickelt, mit einem eigens für den Anlass errichteten, typisch bayerisch dekorierten Festzelt auf der Eichwiese. Karten sind in der Vergangenheit regelmäßig innerhalb kürzester Zeit ausverkauft gewesen, ein früher Blick auf die Vorverkaufsstellen lohnt sich also.
Etwas weiter westlich, in Neitersen, lädt die Wiedhalle am 16. und 17. Oktober zum eigenen Oktoberfest. Bands wie „Die Draufgänger“ und „Beirer Blech“ sorgen dort für ein Programm, das volkstümliche Klänge mit modernen Partyhits verbindet, ein Konzept, das seit Jahren gut ankommt und die Halle regelmäßig füllt.
So groß die Begeisterung auch ist, ein direkter Vergleich mit dem Original hinkt an mehreren Stellen. Während die Münchner Wiesn 16 Tage dauert und von der Stadt gemeinsam mit traditionsreichen Brauereien und Wirtsfamilien organisiert wird, sind die Westerwälder Varianten meist auf ein einzelnes Wochenende begrenzt und werden von lokalen Vereinen, Stadtmarketing-Gesellschaften oder engagierten Ehrenamtlichen gestemmt. Auch das musikalische Programm setzt andere Schwerpunkte: Statt traditioneller Wiesn-Kapellen dominieren hier oft Partybands, die bayerische Stimmungsmusik mit Mallorca-Hits und Schlager mischen, eine Mischung, wie sie sich beim Koblenzer Oktoberfest am Rhein seit Jahren etabliert hat.
Was bleibt, ist trotzdem die zentrale Zutat: das gesellige Miteinander im Festzelt, ob mit original bayerischer Blaskapelle oder heimischem Musikverein, ob auf der Theresienwiese oder der Eichwiese in Montabaur.
Wer in diesem Herbst selbst ein Stück Wiesn-Stimmung im Westerwald erleben möchte, sollte einige praktische Punkte im Blick behalten, von der Kartenreservierung bis zur Anreise, damit der Festzeltbesuch ohne böse Überraschungen gelingt und die Vorfreude nicht zu früh gebremst wird:
Der Anstich in München bleibt das Original und der Ursprung eines Brauchs, der inzwischen weit über Bayern hinausgewachsen ist. Im Westerwald zeigt sich das jeden Herbst aufs Neue: In Montabaur und Neitersen holen lokale Vereine und Veranstalter ein Stück Wiesn-Atmosphäre in die Region, kompakter und bodenständiger als das Original, aber mit derselben geselligen Stimmung im Festzelt.