Erkältungssaison startet: So stärkt man jetzt das Immunsystem

Immunsystem stärken zur Erkältungssaison

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen: Der Herbst bringt zuverlässig auch die Erkältungssaison mit sich. Erwachsene erwischt es im Schnitt zwei- bis viermal im Jahr, bei Kindern ist es noch häufiger. Eine ursächliche Behandlung gegen die verantwortlichen Rhinoviren gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, dem Körper jetzt die besten Voraussetzungen zu geben, damit das Immunsystem Viren erst gar keine Chance lässt. Dieser Ratgeber zeigt, worauf es bei Ernährung, Schlaf, Bewegung und Hygiene wirklich ankommt.

 

Warum die Erkältungssaison genau jetzt beginnt

Mehrere Faktoren kommen im Herbst zusammen und machen diese Jahreszeit zum idealen Nährboden für Erkältungsviren. Mit sinkenden Temperaturen verbringen die meisten Menschen deutlich mehr Zeit in geschlossenen Räumen, oft schlecht gelüftet. Dort können sich Viren über Tröpfchen und Kontaktflächen besonders leicht verbreiten. Hinzu kommt die trockene Heizungsluft, die die Schleimhäute in Nase und Rachen austrocknet und sie dadurch anfälliger für Erreger macht.

Auch die Lichtverhältnisse spielen eine Rolle: Mit weniger Sonnenstunden bildet der Körper weniger Vitamin D über die Haut, was sich auf die Abwehrkräfte auswirken kann. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann gezielt gegensteuern, statt die Erkältungswelle einfach abzuwarten.

Ernährung: Die Basis für starke Abwehrkräfte

Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten liefert dem Körper die Nährstoffe für ein starkes Immunsystem. Einige Mikronährstoffe verdienen im Herbst besondere Aufmerksamkeit:

  • Vitamin D:
    Von Oktober bis März reicht die Sonne in Deutschland meist nicht aus, damit der Körper genug Vitamin D bilden kann. Viele erreichen im Winter nicht den empfohlenen Blutspiegel. Regelmäßiger Aufenthalt im Freien hilft, in dunklen Monaten kann ein Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, am besten nach Rücksprache mit dem Arzt. 
  • Vitamin C:
    Obst und Gemüse wie Paprika, Zitrusfrüchte, Sanddorn oder Brokkoli liefern reichlich Vitamin C und unterstützen die Zellen des Immunsystems. Ein vorbeugender Effekt hoch dosierter Präparate gegen Erkältungen gilt laut Fachgesellschaften allerdings als nicht ausreichend belegt, über die normale Ernährung ist eine gute Versorgung aber trotzdem sinnvoll. 
  • Zink:
    Dieses Spurenelement ist an zahlreichen Prozessen der Immunabwehr beteiligt und unterstützt die Bildung neuer Immunzellen. Enthalten ist Zink vor allem in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Käse. Wer sich vielseitig ernährt, deckt seinen Tagesbedarf in der Regel gut über die normale Ernährung ab, ohne zusätzliche Präparate. 
  • Darmflora:
    Ein großer Teil des Immunsystems sitzt im Darm, weshalb eine gesunde Darmflora die Abwehrkräfte spürbar unterstützt. Probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut liefern lebende Milchsäurebakterien, die das Gleichgewicht der Darmbakterien fördern. Ballaststoffreiches Gemüse und Vollkornprodukte dienen diesen Bakterien zusätzlich als wichtige Nahrung. 
  • Flüssigkeit:
    Mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag halten die Schleimhäute in Nase und Rachen feucht, sodass Viren dort schlechter andocken können. Warme Tees mit Ingwer, Zitrone oder Holunder sind im Herbst besonders angenehm und liefern nebenbei noch zusätzliche Vitamine. 

Schlaf und Stress nicht unterschätzen

Schlafmangel gehört zu den am meisten unterschätzten Risikofaktoren für Infekte. Erwachsene sollten möglichst sieben bis acht Stunden pro Nacht schlafen. Wird dauerhaft zu wenig geschlafen, arbeitet das Immunsystem nachweislich schwächer. Eine feste Schlafroutine mit regelmäßigen Zubettgeh-Zeiten hilft, auch in stressigen Phasen ausreichend Erholung zu bekommen.

Auch chronischer Stress schwächt die Abwehrkräfte und erhöht die Anfälligkeit für Infekte. Kurze, regelmäßige Entspannungsphasen, etwa durch Spaziergänge, Atemübungen, Yoga oder Meditation, wirken dem entgegen und sollten fest im Alltag verankert werden, statt sie nur „wenn Zeit ist“ einzuplanen.

Bewegung, frische Luft und Abhärtung

Regelmäßige, moderate Bewegung an der frischen Luft trainiert nicht nur Herz und Kreislauf, sondern wirkt sich auch positiv auf die Abwehrkräfte aus. Wichtiger als Intensität ist dabei die Regelmäßigkeit der Bewegung: Ein täglicher Spaziergang oder lockeres Joggen zählt genauso wie Sport im Verein.

Wechselduschen, kalte Duschen oder Saunabesuche gelten volkstümlich als Mittel zur Abhärtung. Wissenschaftlich lässt sich ihre vorbeugende Wirkung gegen Erkältungen bislang nicht eindeutig belegen, ein Trainingseffekt für das Herz-Kreislauf-System und ein Plus an Wohlbefinden sind aber plausibel. Wer kalte Duschen ausprobieren möchte, beginnt am besten schrittweise als Teil der Morgenroutine: mit warmem Wasser starten und die Temperatur langsam absenken.

Ein Faktor, der oft übersehen wird: Rauchen erhöht nachweislich sowohl Häufigkeit als auch Dauer von Erkältungen. Wer raucht, tut seinem Immunsystem mit einem Rauchstopp einen besonders großen Gefallen.

Hygiene im Alltag: Kleine Gewohnheiten, große Wirkung

Neben einem starken Immunsystem senken einfache Hygienemaßnahmen das Risiko einer Ansteckung spürbar, denn Erkältungsviren verbreiten sich vor allem über Tröpfchen beim Husten und Niesen sowie über kontaminierte Oberflächen wie Türklinken oder Haltegriffe. Ein paar simple Gewohnheiten im Alltag machen dabei schon einen großen Unterschied: 

  • Richtig Händewaschen:
    Hände 20 bis 30 Sekunden mit pH-neutraler Seife unter fließendem Wasser waschen, auch wenn keine sichtbare Verschmutzung erkennbar ist. Dabei Handflächen, Handrücken, Fingerzwischenräume und Daumen nicht vergessen, denn gerade dort bleiben Viren und Bakterien besonders hartnäckig haften. 
  • In die Armbeuge niesen oder husten:
    So werden die Hände nicht selbst zur Virenschleuder, die Erreger beim nächsten Türgriff oder Händedruck weiterreicht. Wer ein Taschentuch benutzt, sollte es danach sofort entsorgen und sich anschließend gründlich die Hände waschen. 
  • Handtücher nicht teilen:
    Gerade in Familien sollte jeder ein eigenes Handtuch nutzen, das regelmäßig bei mindestens 60 °C gewaschen wird. So verhindert man, dass Viren und Bakterien über gemeinsam genutzte Textilien von einer Person zur nächsten wandern. 
  • Regelmäßig lüften:
    Mehrmals täglich Stoßlüften senkt die Virenkonzentration in der Raumluft und wirkt der trockenen Heizungsluft entgegen, die Schleimhäute zusätzlich reizt. Fünf bis zehn Minuten mit weit geöffnetem Fenster reichen dafür meist schon aus. 
  • Abstand halten:
    Wo möglich, Abstand zu erkälteten Personen halten und Händeschütteln in der akuten Phase vermeiden. Auch das gemeinsame Nutzen von Gläsern, Besteck oder Trinkflaschen sollte in dieser Zeit vermieden werden. 

Bei ersten Anzeichen wie Halskratzen hilft häufig schon eine Nasenspülung mit Salzlösung oder ein Erkältungsbad, um die Schleimhäute zu unterstützen. Ist der Schnupfen oder Husten bereits da, wirken oft schon einfache Hausmittel gegen Husten und Schnupfen wie warmer Tee mit Honig oder Inhalationen zuverlässig gegen die ersten Symptome.

Wann sollte man zum Arzt?

Eine einfache Erkältung heilt in den meisten Fällen von selbst innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Ärztlicher Rat ist sinnvoll, wenn hohes Fieber über 38,5 °C länger anhält, die Beschwerden nach zehn bis vierzehn Tagen nicht besser werden oder sich plötzlich verschlimmern, starke Kopf- oder Gesichtsschmerzen mit Nackensteifigkeit auftreten oder chronische Erkrankungen wie Asthma, COPD oder eine geschwächte Immunabwehr vorliegen. In diesen Fällen sollte eine Erkältung nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Fazit

Ein starkes Immunsystem lässt sich nicht von heute auf morgen aufbauen, aber mit den richtigen Gewohnheiten im Alltag lässt sich das Erkältungsrisiko spürbar senken. Wer jetzt, zu Beginn der Saison, kleine Routinen etabliert, kommt meist deutlich unbeschadeter durch Herbst und Winter.