Inhalt:
Fieber, Ohrenschmerzen oder ein Sturz vom Klettergerüst – oft erkranken Kinder abends oder am Wochenende. Gerade am Wochenende und an Feiertagen stehen Eltern vor einer schwierigen Frage. Denn viele wissen nicht, welche Anlaufstelle in ihrer Nähe geöffnet ist. Die Unsicherheit führt oft dazu, dass Familien direkt die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen. Allerdings gibt es mehrere Alternativen, die schneller und gezielter helfen können. Ein Überblick über die wichtigsten Rufnummern und Anlaufstellen bringt Klarheit.
In Deutschland existiert ein mehrstufiges Versorgungssystem für erkrankte Kinder außerhalb der regulären Sprechzeiten. Neben dem ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt es kinderärztliche Notdienstpraxen, Telefonberatung und digitale Angebote. Je nach Schwere der Beschwerden kommen unterschiedliche Stellen infrage. Eltern profitieren davon, sich bereits im Vorfeld über die Möglichkeiten zu informieren. Denn im Ernstfall zählt jede Minute – und das richtige Handeln erspart lange Wartezeiten.
Unter der kostenlosen Telefonnummer 116117 erreichen Eltern den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen. Diese Nummer gilt bundesweit, ist rund um die Uhr besetzt und funktioniert ohne Vorwahl. Geschultes Fachpersonal nimmt die Anrufe entgegen und bewertet die Dringlichkeit der Beschwerden. Anhand der Symptome leitet das Team die Anrufenden an die passende Versorgungsebene weiter. Das kann eine Bereitschaftspraxis sein, ein ärztlicher Hausbesuch oder auch eine Videosprechstunde.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Notruf 112. Der Bereitschaftsdienst eignet sich für akute, jedoch nicht lebensbedrohliche Beschwerden. Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot oder Vergiftungen hingegen muss sofort die 112 gewählt werden. Beide Nummern ergänzen sich also gegenseitig. Für Eltern gilt eine einfache Faustregel. Könnte die Behandlung in einer Kinderarztpraxis erfolgen, ist die 116117 die richtige Wahl.
Viele Kassenärztliche Vereinigungen betreiben spezielle Bereitschaftspraxen für Kinder und Jugendliche. Diese Praxen befinden sich meist in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses oder direkt auf dem Klinikgelände. An Samstagen, Sonntagen und Feiertagen öffnen sie meist von 9 bis 20 Uhr. Die genauen Zeiten unterscheiden sich allerdings je nach Region und Jahreszeit. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, und die Abrechnung läuft über die Versicherungskarte des Kindes.
Niedergelassene Kinderärzte übernehmen den Dienst in diesen Praxen im Wechsel. Sie behandeln typische Erkrankungen wie Mittelohrentzündungen, Magen-Darm-Infekte oder Hautausschläge. Sollte eine weiterführende Behandlung nötig sein, erfolgt die Überweisung an die benachbarte Klinik. Die Wartezeiten fallen hier oft deutlich kürzer aus als in Krankenhausnotaufnahmen. Eltern können die nächste Praxis über 116117.de oder per Anruf ermitteln. In einigen Bundesländern variieren die Öffnungszeiten bei regionalen Feiertagen.
Die Notaufnahme einer Kinderklinik ist für schwere und potenziell lebensbedrohliche Situationen vorgesehen. Krampfanfälle, akute Atemnot, starke allergische Reaktionen oder Bewusstlosigkeit gehören zu den typischen Fällen. Schwere Verbrennungen, Kopfverletzungen oder ein Verdacht auf Knochenbrüche erfordern ebenfalls die Klinik. Dort arbeiten interdisziplinäre Teams rund um die Uhr. Eine Pflegefachkraft schätzt bei der Ankunft die Dringlichkeit ein – dieses Verfahren heißt Triage.

Allerdings suchen zahlreiche Familien die Notaufnahme auch bei leichteren Beschwerden auf. Das führt zu langen Wartezeiten und belastet das Klinikpersonal erheblich. Fachleute betonen, dass von zehn vorgestellten Kindern oft nur eines stationär aufgenommen werden muss. Für Erkrankungen, die normalerweise in einer Praxis behandelt würden, ist der Bereitschaftsdienst besser geeignet. Im Zweifelsfall hilft ein Anruf bei der 116117, um die Lage richtig einzuschätzen. Bei echter Lebensgefahr bleibt der Notruf 112 mit dem Rettungsdienst jedoch unverzichtbar.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung bietet mit dem Patienten-Navi ein kostenloses Online-Werkzeug zur medizinischen Ersteinschätzung an. Über die Website 116117.de beantwortet man einen strukturierten Fragebogen zu den Beschwerden des Kindes. Die dahinterliegende Software heißt SmED – Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland. Sie wertet die Angaben aus und empfiehlt eine passende Versorgungsebene. Das Ergebnis kann etwa ein Praxisbesuch am nächsten Tag, der Bereitschaftsdienst oder die Notaufnahme sein. Die Nutzung erfolgt anonym und ist jederzeit möglich.
Ergänzend steht die 116117-App für Smartphones zur Verfügung. Mit dieser App lassen sich Bereitschaftspraxen in der Nähe finden und Arzttermine buchen. In einigen Regionen ermöglicht das System sogar Videosprechstunden mit Kinder- und Jugendmedizinern. Gerade nachts oder an Feiertagen spart dieses Angebot Eltern den Weg in eine Praxis. Dennoch stellt die App keine Diagnose und ersetzt keinen Arztbesuch. Sie dient vielmehr als Orientierungshilfe – besonders in Momenten großer Verunsicherung.
Kleinkinder erkunden ihre Umgebung mit dem Mund und verschlucken dabei manchmal gefährliche Substanzen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung ist der Giftnotruf die erste Anlaufstelle. Regionale Zentren wie Berlin (030 19240), München (089 19240) oder Göttingen (0551 19240) helfen sofort. Dort erfahren Eltern sofort, ob ein Arztbesuch nötig ist oder welche Sofortmaßnahmen helfen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bietet eine kostenlose App namens „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ an. Mit ihr lässt sich im Ernstfall direkt das nächste Giftinformationszentrum anrufen.

Neben dem Giftnotruf gibt es den Apotheken-Notdienst, falls dringend Medikamente benötigt werden. Die dienstbereite Apotheke lässt sich telefonisch unter 0800 0022833 (Festnetz) oder 22833 (Mobilnetz) erfragen. Für Kinder und Jugendliche in psychischen Krisen steht die „Nummer gegen Kummer“ bereit. Die Rufnummer 116111 gilt für junge Menschen, 0800 1110550 für Eltern. Auch Hebammen beraten bei Fragen rund um Neugeborene – viele sind telefonisch erreichbar. Letztlich bilden all diese Angebote ein Netzwerk, das Familien in Notlagen auffängt.
Eine gut ausgestattete Hausapotheke gehört in jeden Familienhaushalt. Fieberthermometer, altersgerechte Fiebersäfte mit Ibuprofen oder Paracetamol sowie Pflaster und Wunddesinfektionsmittel sind unverzichtbar. Über die richtige Dosierung informiert die Kinderarztpraxis oder die Apotheke. Ein Erste-Hilfe-Kurs speziell für Kinder vermittelt Eltern das nötige Wissen für akute Situationen. Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder die Johanniter bieten solche Kurse regelmäßig an. Die Investition von wenigen Stunden kann im Ernstfall Leben retten.
Ebenso sinnvoll ist es, alle relevanten Notfallnummern griffbereit zu notieren. Die 112 für den Rettungsdienst, die 116117 und der regionale Giftnotruf gehören auf die Liste. Auch die Adresse der nächsten Kindernotaufnahme sollte bekannt sein. Im Akutfall hilft vor allem eines: Ruhe bewahren und kurz nachdenken. Panik überträgt sich schnell auf das erkrankte Kind und erschwert eine klare Einschätzung. Mit guter Vorbereitung gelingt es Eltern, besonnen und gezielt zu handeln.