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Bildungsgerechtigkeit setzt auch da an, wo beeinträchtigte Menschen ein Studium aufnehmen wollen. Aufgrund baulicher, didaktischer oder organisatorischer Barrieren ist es oft schwer für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen am normalen Studienbetrieb teilzunehmen. Die Hochschulen versuchen zwar schon viel zu ändern, doch nach wie vor gibt es große Hürden.
Deshalb gibt es den Verein Uniability, der versucht, die Brücke zwischen dem theoretischen Ansatz der Bildungsgerechtigkeit und der tatsächlichen Lebensrealität zu schlagen. Der Verein hilft Menschen beim Zugang an die österreichischen Hochschulen. Man setzt sich für den Abbau von Chancenungleichheiten ein und möchte die Studien- und Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern. Der Verein ist selbst Mitglied bei “Selbstbestimmt Leben Österreich”. Mehr zu Uniability gibt es in diesem Artikel zu erfahren.
Bereits in den neunziger Jahren schlossen sich behinderte Studierende zusammen, um unabhängig von Verbandsstrukturen die Bedingungen an Universitäten und Hochschulen zu verbessern. Schon 1996 wurde der Verein offiziell gegründet und setzt sich heute in ganz Österreich für bessere Bedingungen und Chancengleichheit ein. Die Arbeitsweise baut darauf auf, dass es unterschiedliche Beeinträchtigungen gibt, weshalb es individuelle Anpassungen der Lebens- und Lernbedingungen geben muss. Flexibilität ist daher ein wichtiger Faktor der Vereinsarbeit, der gleichzeitig eine der größten Hürden darstellt. Menschen mit Beeinträchtigungen sind immer sehr individuell, was Chancengleichheit in der Realität schwierig macht.
Es gibt verschiedene Tätigkeitsfelder, die zur Vereinsarbeit gehören. Unter anderem geht es um Informationen, Beratungen und die Studienbegleitung rund um das gesamte Studium und das Studienumfeld. Man sieht sich zudem als Interessenvertretung und legt daher viel Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit. Weitere Tätigkeiten sind der Erfahrungsaustausch und die Vernetzung, außerdem die fachliche Beratung bei baulicher und barrierefreier Gestaltung sowie bei der technischen Ausstattung. Ferner setzt man sich für die Forschung zur Situation behinderter und chronisch kranker Menschen ein. Organisiert ist man wie ein typischer Verein mit einem Vorstand, einer Generalversammlung, Rechnungsprüfern und einem Schiedsgericht.
Nachdem sich bereits Anfang der 90er Jahre behinderte Studierende zusammengetan haben, wurde 1996 der Verein gegründet. Zuvor hatte man aber bereits erste Beauftragtenstellen schaffen können. An sechs Universitäten gab es fortan Behindertenbeauftragte, mit denen Studierende und Absolventen sprechen konnten. Zunächst war man noch in Foren vernetzt, später gab es immer häufiger Treffen, außerdem wurden Spezialprojekte ins Leben gerufen. Halbjährlich fand ein Netzwerktreffen statt. Damit man solche Projekte besser umsetzen konnte, wurde der Verein gegründet. Auf diese Weise konnte man auch Subventionen und Sponsorengelder erhalten. Unter anderem war eines der ersten Projekte die Herausgabe von Informationsbroschüren.
Uniability setzt sich auch politisch ein und hat daher klare Positionen und Forderungen. Immer wieder bemängelt man die fehlenden Mindeststandards, die eigentlich längst überall implementiert sein müssten. Aktuell liegen Barrierefreiheit und Gleichstellung noch im Ermessen jeder einzelnen Hochschule, womit eine Einheitlichkeit kaum erreicht werden kann. Gefordert werden einheitliche, verbindliche und rechtliche Standards, die ins Universitätsgesetz aufgenommen werden sollen. Daneben sollen auch Frauenförderpläne etabliert werden. Auch muss es verbindliche Ressourcen geben, die für die Barrierefreiheit und Gleichstellung eingesetzt werden können. Dazu gehören Personal, Mittel und Leistungen für Anlaufstellen sowie Koordinationsstellen für Barrierefreiheit, die auch digital gedacht werden muss.

Kritisiert wird die Fehlpassung bei Förderkriterien. Zwar gibt es Gesetze wie das Studienförderungsgesetz oder auch Regeln für die „Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz“, doch greifen diese erst ab einem Behinderungsgrad von 50 %. Betroffen sind davon nur 1 % der betroffenen Studierenden, obwohl von der Gesamtzahl der Studierenden 12 % gesundheitliche Beeinträchtigungen haben. Schon 2008 wurde in Österreich die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, doch die Umsetzung ist bis heute nur in Teilen erreicht worden. Daher müssen konkrete Taten eingeleitet werden, um der UN-BRK endlich gerecht zu werden. Insgesamt ist in den letzten zwanzig Jahren zwar schon viel umgesetzt worden, doch genauso gibt es weiterhin sehr viele Lücken und Probleme.
Zum Angebot von Uniability gehört der Ratgeber „Sowieso“, der wichtige Hinweise für Studierende enthält. Der zentrale Praxistipp lautet dabei, dass man die Studienplanung möglichst bereits ein Semester vor Studienbeginn starten sollte. Je früher, desto besser. Vor dem Start wird empfohlen, sich den Studienort und die Räumlichkeiten anzuschauen. Das gilt insbesondere bei Gehbehinderungen und Rollstuhlnutzung. Ferner sollte man Kontakt mit Behindertenreferenten und Instituten aufnehmen. Auch das Wohn- und Mobilitätsumfeld sollte man prüfen, sowohl Studentenwohnheime als auch den öffentlichen Nahverkehr und die Infrastruktur. Wird ein Studiengang an mehreren Orten angeboten, sollte man den bestgeeigneten Standort wählen, um es später leichter zu haben.