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Neuwied und das Wiedtal zählen zu den reizvollsten Gegenden in Rheinland-Pfalz. Mehrere Bahnlinien verbinden hier den Rhein mit dem Westerwald. Anschluss an Koblenz, Bonn und Frankfurt besteht dabei zuverlässig. Als Rückgrat des Nahverkehrs gilt die rechte Rheinstrecke in dieser Region. An der Mündung der Wied liegt Neuwied als wichtiger Verkehrsknotenpunkt.
Ob für den Arbeitsweg oder einen Ausflug ins Mittelrheintal, die Verbindungen bieten Flexibilität. Mehrere Linien bedienen den Bahnhof Neuwied im regelmäßigen Takt. Doch wie sehen die aktuellen Fahrpläne aus? Ebenso stellt sich die Frage nach Tickets und Barrierefreiheit. Dieser Artikel gibt einen Überblick über Verbindungen, Tarife und Zugänglichkeit.
Drei Nahverkehrslinien bedienen den Bahnhof Neuwied regelmäßig. Der Rhein-Erft-Express (RE 8) verkehrt im Stundentakt zwischen Mönchengladbach und Koblenz Hauptbahnhof. Er fährt ab Köln entlang der rechten Rheinstrecke. In Neuwied überquert er den Rhein über die Urmitzer Eisenbahnbrücke. Dadurch erreichen Fahrgäste Koblenz Hauptbahnhof in nur 15 Minuten. Ergänzend fährt die Rhein-Erft-Bahn (RB 27) stündlich, hält jedoch häufiger.
Eine besonders reizvolle Verbindung bietet die RheingauLinie (RB 10). Sie verbindet Frankfurt, Wiesbaden und Koblenz mit Neuwied als Endstation. Ihre Strecke führt durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal, vorbei an Rüdesheim und Kaub. Am Mittelrhein hält die RB 10 an allen 21 Stationen. Zwischen Wiesbaden und Frankfurt legt sie hingegen nur wenige Stopps ein. Betrieben wird die Linie von der VIAS GmbH.
Rund 65 Verbindungen pro Tag stehen zwischen Koblenz und Neuwied bereit. Bereits kurz vor ein Uhr morgens verlässt der früheste Zug Koblenz. Gegen Mitternacht fährt dann die letzte Verbindung ab. RE 8, RB 27 und RB 10 ergänzen sich tagsüber zu einem dichten Takt. Etwa alle 20 Minuten verkehren Züge auf diesem Abschnitt. An Wochenenden kann der Fahrplan jedoch abweichen.
Für Pendler in Richtung Köln bieten RE 8 und RB 27 gute Optionen. Für die Strecke Neuwied-Köln benötigt der RE 8 etwa anderthalb Stunden. Etwas mehr Zeit benötigt die RB 27, da sie häufiger hält. In Koblenz bestehen Umsteigemöglichkeiten auf IC- und ICE-Verbindungen nach Berlin, München oder Hamburg. Von Neuwied nach Frankfurt benötigt die RheingauLinie rund zweieinhalb Stunden. Aktuelle Fahrplanänderungen veröffentlicht der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) auf seiner Webseite.
Im Gebiet des VRM gilt ein einheitliches Wabensystem für Busse und Bahnen. Berechnet wird der Fahrpreis nach der Anzahl durchfahrener Tarifwaben. Insgesamt 406 Waben unterteilen das Verbundgebiet. Von Neuwied nach Koblenz durchquert man nur wenige davon, was den Preis niedrig hält. Einzelfahrscheine, Tageskarten und Minigruppenkarten gehören zum Angebot. Letztere erlauben fünf Personen die gemeinsame Nutzung einer Fahrkarte.

Neben den Einzeltickets gibt es attraktive Abonnements. Das Verbund-Abo bietet sich für Berufspendler an und ist in mehreren Preisstufen verfügbar. Es gilt für das Stadtnetz Koblenz, das Stadtnetz Neuwied oder das gesamte VRM-Netz. Am Wochenende und an Feiertagen in Rheinland-Pfalz können Abo-Inhaber sogar im kompletten Verbundgebiet fahren. Natürlich gilt auch das Deutschlandticket auf allen Nahverkehrslinien der Region. Fahrkarten lassen sich an Automaten, in Verkaufsstellen oder über die VRM-App erwerben.
Der Bahnhof Neuwied erhielt im Jahr 2011 eine umfangreiche Modernisierung. Seitdem machen zwei Aufzüge die drei Bahngleise barrierefrei zugänglich. Eine Fußgängerunterführung verbindet die Bahnsteige miteinander. Auch der Bahnhofsvorplatz wurde für 5,6 Millionen Euro komplett neu gestaltet, inklusive eines barrierefreien Busbahnhofs. Nach Voranmeldung organisiert die Mobilitätsservice-Zentrale Hilfe beim Ein- und Aussteigen.
Nicht alle Stationen entlang der rechten Rheinstrecke bieten denselben Standard. Kleinere Haltepunkte wie Engers verfügen zwar über eine Fußgängerunterführung, jedoch fehlen dort Aufzüge. Im Rahmen der geplanten Generalsanierung 2026 sollen bis zu 32 Stationen modernisiert werden. Ziel ist ein möglichst durchgehend barrierefreier Ausbau. Neue Beleuchtung, verlängerte Bahnsteige und zeitgemäße Möblierung stehen ebenfalls auf dem Programm. Bis zur Bundesgartenschau im Oberen Mittelrheintal 2029 soll alles fertig sein.
Von Mitte Juli bis Mitte Dezember 2026 steht die rechte Rheinstrecke vor einer Vollsperrung. Zwischen Wiesbaden und Troisdorf erneuert die Bahn Gleise auf über 80 Kilometern. Rund 116 Weichen und 40 Kilometer Oberleitung werden ebenfalls ausgetauscht. Sechs alte Stellwerke erhalten neue elektronische Technik in Neuwied und Engers. Nach Abschluss sollen jahrelang keine größeren Bauarbeiten nötig sein. Insgesamt profitiert die Strecke dann vom modernsten Ausrüstungsstandard.

Während der Sperrpause stellt die Bahn einen umfangreichen Schienenersatzverkehr bereit. Insgesamt 164 barrierefreie Busse bedienen alle Haltestellen. Elf Buslinien ersetzen den Zugverkehr, darunter zwei Expresslinien. Teils verfügen die Fahrzeuge über WLAN und Toiletten. Für Schüler sind gesonderte Fahrten geplant. Trotz der Einschränkungen gilt die Sanierung als notwendig wegen häufiger Störungen.
Schon im neunzehnten Jahrhundert gab es Bestrebungen, eine Bahnlinie durch das Wiedtal zu bauen. Als Wiedtalbahn bekannt, sollte sie von Neuwied bis in den Westerwald führen. Mehrere Planungsentwürfe entstanden ab den 1860er Jahren. Umgesetzt wurde allerdings nur ein kurzes Teilstück nach Augustenthal. Dieses diente vor allem dem Güterverkehr der Firma Rasselstein. Seit 2020 fahren dort nach langer Pause wieder Ganzzüge.
Heute übernehmen Busse den Personenverkehr im Wiedtal. Über die VRM-Linie 130 gelangen Fahrgäste von Neuwied nach Neustadt an der Wied. Parallel prüft der Zweckverband SPNV Nord stillgelegte Strecken auf Reaktivierung. Zwischen Engers und Siershahn erreichte die Brexbachtalbahn 2025 einen Nutzen-Kosten-Faktor von 3,89. Ob eine Schienenverbindung durchs Wiedtal kommt, bleibt offen. Auf der alten Trasse ist hingegen seit 2014 ein Radweg befahrbar.