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Die deutsche Handelslandschaft verliert eines ihrer traditionsreichsten Unternehmen. Die Unternehmensgruppe Brüder Schlau aus Porta Westfalica hat im Juni 2025 beim Amtsgericht Bielefeld einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Betroffen sind rund 3.900 Mitarbeiter an rund 240 Standorten bundesweit, davon über 180 Hammer-Fachmärkte und rund 60 Schlau-Großhandelsmärkte. Der 1921 gegründete Handelskonzern vereint unter seinem Dach die bekannten Marken Hammer-Einrichtungsmärkte sowie Schlau-Handwerkermärkte.
Das Amtsgericht Bielefeld hat am 1. September 2025 für mehrere Gesellschaften der Brüder-Schlau-Gruppe Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Betroffen sind neben der Hauptgesellschaft auch die Schlau Großhandels GmbH, die Hammer System Management GmbH und weitere Tochtergesellschaften. Die finanzielle Schieflage markiert einen dramatischen Wendepunkt für ein Familienunternehmen, das über Generationen hinweg im deutschen Handel präsent war. Das Unternehmen ist auf Raumausstattung spezialisiert, mit Schwerpunkten bei Bodenbelägen, Wand und Tapeten, Heimtextilien, Gardinen und Farben.
Der Handelskonzern wurde 1921 als Farbengroßhandlung von den Brüdern Theodor und Wilhelm Schlau in Minden gegründet. Was als kleines regionales Geschäft begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem bundesweit agierenden Konzern. In den 1970er Jahren erfolgte der Einstieg in den Einzelhandel mit der Gründung der Fachmarktkette Hammer. Die ersten Hammer-Einrichtungsmärkte eröffneten 1976 in Bremerhaven und Lübbecke.
Das Unternehmen expandierte kontinuierlich durch strategische Übernahmen und organisches Wachstum. Besonders in den 2000er und 2010er Jahren wuchs die Großhandelssparte Schlau durch die Eingliederung mehrerer etablierter Handelsunternehmen. Zum Konzern gehören die Fachmarktkette Hammer mit über 180 Filialen für Raumausstattung und Heimtextilien sowie etwa 60 Handwerkermärkte der Marke Schlau. Der Fokus lag dabei stets auf Bodenbelägen, Wandgestaltung und Heimtextilien.
Das gewählte Verfahren der Insolvenz in Eigenverwaltung unterscheidet sich grundlegend von einer Regelinsolvenz. Das Verfahren ermöglicht es dem Unternehmen, unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters die Sanierung selbst in die Hand zu nehmen. Der Bielefelder Rechtsanwalt Yorck Streitbörger wurde zum Generalbevollmächtigten ernannt und soll gemeinsam mit der Geschäftsführung die Restrukturierung vorantreiben. Prof. Dr. Dirk Andres von der Kanzlei AndresPartner wurde als Sachwalter eingesetzt.
Die Eigenverwaltung bietet dem Unternehmen die Chance, operative Entscheidungen selbst zu treffen und dabei Gläubigerinteressen zu wahren. Das Gericht genehmigt dieses Verfahren allerdings nur bei Vorlage eines überzeugenden Sanierungsplans. Der Sachwalter hat die Aufgabe, die Geschäftsführung zu überwachen und insbesondere die Interessen der Gläubiger zu wahren. Ein Finanzierungskonzept für die Sanierungskosten liegt bereits vor, konkrete Details wurden jedoch nicht öffentlich gemacht.
Für die Belegschaft bedeutet die Insolvenz zunächst eine Phase der Unsicherheit. Die Gehälter der rund 3.900 Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis einschließlich August 2025 abgesichert. Diese Regelung verschafft dem Unternehmen wichtige Zeit für die Umsetzung des Sanierungskonzepts. Allerdings mussten bereits erste Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, während andere um ihre berufliche Zukunft bangen.
Die Zahl der Schlau-Großhandelsniederlassungen ist von 63 auf 61 gesunken, die der Hammer-Fachmärkte von rund 180 auf aktuell 172. Mehrere Standorte wurden bereits veräußert oder geschlossen. Viele Hammer-Märkte sind geschlossen, während für die Großhandelsmärkte der Marke Schlau das Ende gekommen ist. Der Geschäftsbetrieb läuft an den verbleibenden Standorten jedoch weiter, Aufträge werden nach Unternehmensangaben wie gewohnt ausgeführt.
Die Ursachen für die finanzielle Krise sind vielschichtig. Das Unternehmen reagiert auf strukturelle Herausforderungen im Marktumfeld sowie auf anhaltende wirtschaftliche Belastungen. Konkret bedeutet dies: sinkende Umsätze, steigende Kosten und ein grundlegend verändertes Kauf- und Konsumverhalten der Kunden. Die Konsumzurückhaltung in Deutschland trifft besonders Unternehmen im Einrichtungsbereich hart.
Die Inflation belastet die Kaufkraft der Verbraucher erheblich. Höhere Energiepreise, gestiegene Lebenshaltungskosten und Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft führen dazu, dass weniger Geld für Heimausstattung ausgegeben wird. Das Unternehmen begründet die Maßnahme mit anhaltendem Konsumrückgang, steigenden Kosten und negativen Effekten der Inflation auf das Kundenverhalten. Der Wohnimmobilienmarkt mit hohen Zinsen für Immobilienkredite verstärkt diesen Effekt, da weniger Menschen in Eigenheime investieren und entsprechend auch weniger Bedarf an Einrichtungsgegenständen besteht.
Die Unternehmensführung hat ein umfassendes Sanierungskonzept entwickelt. Die Sanierung hat zum Ziel, das Unternehmen nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. Das Konzept sieht eine strategische Neuausrichtung beider Unternehmensbereiche vor. Hammer soll sich künftig als „Die Raumstylisten“ positionieren und hochwertige Raumausstattung mit Fokus auf Beratungs- und Handwerksleistungen anbieten.
Die Großhandelssparte Schlau will sich konsequent auf professionelle Handwerksbetriebe konzentrieren. Der bereits begonnene Restrukturierungsweg mit der Schärfung des Leistungsprofils, der Digitalisierung sowie der Optimierung von Strukturen und Prozessen wird fortgesetzt. Ein wichtiger Bestandteil ist die Anpassung des Filialnetzes an die veränderten Marktbedingungen. Kleinere, effizientere Flächen sollen die bisherigen Großmärkte ergänzen oder ersetzen, wobei der Fokus auf Vollsortiment und umfassendem Service liegt.
Die Zukunftsaussichten für die beiden Vertriebslinien fallen unterschiedlich aus. Hammer habe den Trend zu kleineren Flächen erkannt und setze inzwischen auf den Slogan „Raumstylisten – Ihr persönlicher Raumausstatter„. Das neue Konzept soll Renovierungsarbeiten als Raumausstatter mit Vollsortiment komplett aus einer Hand anbieten. Erste Standorte arbeiten bereits nach diesem Modell und sollen erste Erfolge erzielen.
Die Großhandelssparte steht vor größeren Herausforderungen. Während einige Hammer-Fachmärkte weiterbetrieben werden, ist für viele Schlau-Handwerkermärkte bereits das endgültige Aus gekommen. Die verbliebenen Standorte müssen beweisen, dass sie im intensiven Wettbewerb bestehen können. Das Gericht wird voraussichtlich erörtern, wie es mit den überschuldeten Untergesellschaften weitergeht. Gläubiger hoffen auf Rückzahlungen, wobei einige sogar strafrechtliche Schritte wegen möglicher Insolvenzverschleppung prüfen.