Der Pott filmt: 50 Filme, 4 Kinos, 1 Ruhrgebiet

Der Pott filmt: 50 Filme, 4 Kinos, 1 Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet, oder auch die Metropole Ruhr, ist eine einzigartige Gegend und einer der größten Ballungsräume in Europa. In Deutschland ist der Pott, wie er liebevoll genannt wird, überall im Land bekannt, ob nun durch die Industrialisierung und den Bergbau, die Fußballvereine oder eben auch andere kulturelle Aspekte, die hier so eigen sind. An Geschichten aus dem Ruhrpott mangelt es sicherlich nicht, was auch die Filmemacher dieser Gegend schon seit Jahrzehnten wissen. Es gibt unzählige Filme, die das Ruhrgebiet als Szenerie gewählt haben. Und genau das wird jetzt bei der Aktion „Der Pott filmt“ gezeigt.

Hierbei haben sich vier Filmkunst-Kinos aus dem Pott zusammengetan, um bis November 2010 fünfzig verschiedene Filme zu zeigen, die alle gemeinsam haben, dass sie von Regisseuren der Gegend gedreht worden sind und natürlich auch im Ruhrgebiet spielen. Geboten wird ein interessantes Potpourri an Filmen, die seit den sechziger Jahren entstanden sind. Ob Kurz- oder Langfilme, Dokumentationen und Experimentalstreifen – alles ist mit dabei. Perfekt für Filmfans und natürlich für alle, deren Herz am Ruhrgebiet liegt. Mehr zu diesem einzigartigen Projekt gibt es in diesem Artikel zu erfahren.

Der Pott Film – 50 Filme bis Ende November

Kinosaal Dem Ruhrgebiet kommt in diesem Jahr eine besondere Aufmerksamkeit zu, da man als Regionalverband Ruhr zur Europäischen Kulturhauptstadt gewählt wurde. Essen hatte dafür den Titel stellvertretend für alle Städte, insgesamt 54, bekommen. Zu diesem Anlass wurden auch ein Kulturhauptstadt-Programm initialisiert, das viele verschiedene Aspekte umfasst. Die Kinoaktion gehört da zwar nicht direkt zu, versteht sich aber als eine Ergänzung, um die kulturelle Vielfalt des Ruhrgebiets auch in filmischer Hinsicht zu zeigen. Für Interessierte am Ruhrpott ist das natürlich eine tolle Gelegenheit, da die Filme auch in vielen Teilen wie eine Zeitreise wirken können.

Vier Kinos haben sich für dieses Projekt zusammengeschlossen. Das sind das Endstadion Kino in Bochum, das Filmforum in Duisburg, das Kino Babylon in Hagen und das Rio Filmtheater in Mülheim. Es wird insgesamt 24 Abende geben, die sich nochmal in 12 Programme unterteilen, die sich an Mode, Wirtschaft, Politik und Stimmungen orientieren. Die gezeigten Filme bilden eine große Vielfalt ab, da sie nicht nur unterschiedlichen Genres zuzuordnen sind, sondern auch den verschiedenen Jahrzehnten. Fünfzig Jahre umfasst das gesamte Spektrum der Filme, die bei „Der Pott filmt“ gezeigt werden. Unterstützt und finanziert wird die Aktion von der Filmstiftung NRW.

Die Top 5 Filme der Aktion

Insgesamt fünfzig Filme werden gezeigt, die eine tolle Dokumentation darüber sind, wie sich über die Jahrzehnte die Strukturen des Ruhrgebiets gewandelt haben. Es gibt Spiel- und Kurzfilme, ebenso Experimental- und Dokumentarfilme. Die folgenden fünf Filme sind auch einem größeren Publikum bekannt.

Jazzclub

Bei „Jazzclub“ handelt es sich um einen Film aus dem Jahre 2004. Es handelt sich um ein Werk von Helge Schneider, der nicht nur Regie führte und zusammen mit Andrea Schumacher das Drehbuch schrieb, sondern auch gleich in mehreren Rollen zu sehen ist. Im Kern geht es um den Fischverkäufer Teddy Schu, der mehrere Jobs hat und damit versucht, für sich und seine Frau Jacqueline zu sorgen.

Vor allem aber hat Teddy Spaß am Musizieren und macht das gemeinsam mit zwei Freunden, die zusammen in einem kleinen Jazzclub spielen. Der Film ist eine Komödie, die überaus interessante Wendungen nimmt und am Ende sogar Außerirdische beinhaltet. Aber für Fans von Helge Schneider und dessen interessanten Humor definitiv eine Empfehlung.

00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter

Schon früher hat Helge Schneider den Weg auf die große Leinwand gefunden und hat unter anderem den bekannten „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“ gedreht. Co-Regie wurde von Christoph Schlingensief geführt, der auch hauptverantwortlich an der Kamera war. Es geht um einen Mordfall, der von Kommissar 00 Schneider aufgeklärt werden soll.

Dieser befindet sich eigentlich schon in Pension, doch gemeinsam mit seinem Assistenten Körschgen, gespielt von Helmut Körschgen, geht er dem Fall auf die Spur. Der Film wurde hauptsächlich in Mülheim an der Ruhr gedreht, ebenso auch einige Szenen in Gelsenkirchen.

Rattenrennen

Seit sieben Jahren lebt Cho Lucas Ayaba schon in Deutschland, weil er der Gewalt in seinem Heimatland Kamerun entkommen wollte. Doch hier kommt er auch nicht zur Ruhe, denn Rassismus ist ein weitverbreitetes Problem in Deutschland, mit dem er sich immer wieder konfrontiert sieht. Eines Tages kommt seine Tochter nach Deutschland, nachdem ihre Mutter in Kamerun gestorben ist.

Der Film zeigt die Tochter Noela in ihrem ersten Jahr in Deutschland und wie sie versucht, sich in diesem fremden Land zurechtzufinden. Keine leichte Aufgabe zwischen der Fremde und der Stränge des Vaters. Hierbei handelt es sich um einen Film von Ulrike Korbach, der zwischen 2005 und 2007 entstanden ist.

Der Menü-Kurier

Der Menü-Kurier 2007 erschien der Film „Der Menü-Kurier“, der von Regisseur Carsten Pütz umgesetzt wurde und der so beliebt gewesen ist, dass er sogar den Publikumspreis beim Bochumer Festival „Blicke aus dem Ruhrgebiet“ gewinnen konnte. Entsprechend darf dieser Film in diesem Jahr nicht bei der Aktion „Der Pott filmt“ fehlen. Es handelt sich dabei um eine Pseudo-Dokumentation, die wie eine Art Road-Movie aufgebaut ist. Sie zeigt Felix, der Essen an ältere und kranke Menschen ausfährt und dabei von einem Filmteam begleitet wird. Doch der Job ist alles andere als entspannt und sorgt für jede Menge Stress. Und alsbald bricht das komplette Chaos aus.

Der Sprinter

Christoph Böll, ein Neffe des bekannten Schriftstellers Heinrich Böll, hat 1984 die Komödie „Der Sprinter“ umgesetzt. Böll schrieb gemeinsam mit Wieland Samolak und Nicole Schürmann das Drehbuch. Samolak ist auch in der Hauptrolle als Wieland Dietrich zu sehen. In weiteren Rollen mit dabei sind Gerhard Olschweski, Renate Muhri und Miriam Spoerri. Wieland Dietrich ist ein junger sportlicher Mann, der homosexuell ist, was allerdings seiner Mutter sehr missfällt.

Ihr zur Liebe versucht er sich nun in der heterosexuellen Welt zurechtzufinden. Tatsächlich sieht es zwischenzeitlich auch so aus, als könnte dieser Plan klappen. Doch am Ende kommt es eben doch ganz anders. Der Film wurde 1984 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.

Die Regisseure

Über die Monate werden Filme von insgesamt sechzehn Regisseuren gezeigt, die allesamt ihre Wurzeln im Ruhrgebiet haben. Das sind Christoph Böll, Robert Bosshard, Marcus Greulich, Daniel Hein, Klaus Helle, Horst Herz, Christoph Hübner, Gabriele Voss, Rainer Komers, Ulrike Korbach, Werner Nekes, Dore O., Helge Schneider, Reinald Schnell, Frank Wierke und Adolf Winkelmann. Auf der Webseite der Aktion lassen sich dazu viele Informationen zu den einzelnen Regisseuren finden und wann deren Filme in welchem Kino gezeigt werden. Die Webseite bietet sich zudem auch als gute Quelle der Heimatkunde an, um mehr über das Ruhrgebiet und die dortige Filmkunst zu erfahren.

Fazit zu Der Pott filmt

Dass das Ruhrgebiet seine ganz eigene Kultur und Faszination hat, muss man wohl kaum jemanden sagen. In Deutschland ist das allgemein bekannt und wer aus dem Pott kommt, der weiß genau, wie seine Heimat aussieht, selbst wenn von außen die Metropolregion nicht immer als die schönste wahrgenommen wird. Kultur wird hier aber großgeschrieben und sie ist geprägt von der Industrialisierung, vom Bergbau und vielen Strukturwechseln, die über die Jahrzehnte vollzogen worden sind. Das haben auch immer wieder Filme gezeigt, die man jetzt bis November in vier verschiedenen Kinos des Ruhrgebiets sehen kann. „Der Pott filmt“ ist eine einzigartige Reise durch die filmische Kultur dieser einzigartigen Gegend.