Der Hauptmann

Der Hauptmann“ von Robert Schwentke basiert auf einer wahren Begebenheit und bietet eine schonungslose Darstellung der deutschen Gesellschaft im Jahr 1945. In ausdrucksstarken Schwarzweißbildern wird die Geschichte des Deserteurs Willi Herold erzählt, der sich als Offizier ausgibt. Die filmische Umsetzung besticht durch eine minutiöse Ausstattung, effektive Montage und eine kontrastreiche Musikkulisse. Max Hubacher spielt die Hauptrolle, unterstützt von Frederick Lau als der gefährliche Triebtäter Kipinski. Der Film zeigt das NS-Militär als eine Ansammlung kleinlicher Bürokraten und opportunistischer Henker.

Der Hauptmann
  • Amazon Prime Video (Video-on-Demand)
  • Max Hubacher, Milan Peschel, Frederick Lau (Schauspieler)
  • Robert Schwentke (Regisseur) - Robert Schwentke (Autor) - Frieder Schlaich (Produzent)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 16 Jahren

Schwentke verzichtet auf eine klassische Spannungsdramaturgie und legt den Fokus auf die Absurdität und Grausamkeit des Krieges. Groteske Szenen in Zeitlupe und verbale Machtkämpfe, die an Tarantino erinnern, zeigen die düstere Realität im Lager. Der „bunte Abend“ im Lager, der mit Sketchen beginnt und in einer brutalen Raserei endet, unterstreicht die gnadenlose Atmosphäre. Die Leistung der Schauspieler, insbesondere von Hubacher und Lau, verstärkt die intensive Wirkung des Films. Welche Grenzen wird Herold überschreiten, um seine neue Identität zu wahren?

Drehorte, Regie und Besetzung von „Der Hauptmann“

Der Hauptmann“ ist ein deutsch-polnisch-französischer Kriegsfilm aus dem Jahr 2017 unter der Regie von Robert Schwentke. Der Film, in Schwarzweiß gedreht, feierte seine Weltpremiere im September 2017 beim Toronto International Film Festival und kam am 15. März 2018 in die deutschen Kinos. Die Hauptrollen spielten Max Hubacher als Willi Herold, Alexander Fehling als Junker, Bernd Hölscher als Schütte und Milan Peschel als Freytag. Der Film wurde in Zgorzelec, Breslau, am Flugplatz Mirosławiec und weiteren Orten in Polen und Deutschland gedreht.

Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Filmpreis 2018 für den besten Nachwuchsdarsteller (Max Hubacher) und den Deutschen Filmpreis 2018 für die beste Tongestaltung. Auch den Stanley Kubrick Award for Bold & Innovative Filmmaking in Fiction beim Traverse City Film Festival 2018. Das Budget betrug geschätzte 5.800.000 Euro, der weltweite Bruttoertrag lag bei 1.197.218 US-Dollar. Die Filmmusik komponierte Martin Todsharow, wobei das Musikdesign Industrial-Sounds und Schlager aus der Zeit des Dritten Reichs kombiniert. Florian Ballhaus war als Kameramann tätig, und Mackevision sorgte für die Spezialeffekte. Das Arbeitslager mit den Baracken, ein wichtiger Drehort, wurde eigens in Polen errichtet und in Echtzeit gesprengt, um den Bombenangriff der Alliierten realistisch darzustellen. „Der Hauptmann“ wurde chronologisch gedreht.

Handlung vom Film „Der Hauptmann“

Zwei Wochen vor Kriegsende wird der Gefreite Willi Herold von einer Gruppe Feldgendarmen unter Hauptmann Junker gejagt. In einem Waldstück gelingt ihm die Flucht. Hungrig und unzureichend bekleidet, irrt er in ständiger Angst vor Entdeckung hinter der Front umher. Herold trifft auf einen anderen Versprengten, mit dem er nachts in eine Scheune einbricht, um Lebensmittel zu besorgen. Das Bauernpaar Görner entdeckt sie und erschlägt Herolds Begleiter. Herold kann fliehen und entdeckt wenig später einen verlassenen Wehrmachts-Geländewagen mit der Uniform eines Hauptmanns der Luftwaffe.

In dieser Uniform wird er von dem versprengten Gefreiten Freytag überrascht, der Herold für einen echten Hauptmann hält. Freytag bietet seine Hilfe als Kraftfahrer an und bittet, sich ihm unterstellen zu dürfen. In einer Wirtschaft gibt sich Herold als amtlicher Berichterstatter aus und verspricht den Einwohnern Ersatz für gestohlene Sachwerte. Nachts zwingen ihn die Bauern, einen beim Stehlen ergriffenen Soldaten zu erschießen. Zusammen mit Freytag kehrt er am nächsten Morgen zum Hof des Bauern Görner zurück, wo sie auf drei weitere Soldaten treffen, darunter der Gefreite Kipinski, die die Hofbesitzer drangsalieren. Auch sie schließen sich Herold an.

Die Entfaltung der Macht

Als Herold die Möglichkeiten der Uniform erkennt, gründet er die „Kampfgruppe Herold“. Weitere versprengte deutsche Soldaten, darunter eine Geschützmannschaft mit einer Flugabwehrkanone, schließen sich ihm an. Eine Patrouille der Feldgendarmerie nimmt die Gruppe fest, doch Herold gibt sich als Sondereinsatzführer aus, der Adolf Hitler persönlich berichten soll. Hauptmann Junker stellt ihn dem SA-Führer Schütte vor, der ein überfülltes Emslandlager II verwaltet. Schütte und Herold organisieren ein Massaker unter den Gefangenen, darunter Deserteure. Zur Feier des „Erfolgs“ veranstaltet Herold einen „Bunten Abend“, bei dem er Schüttes Frau Gerda und den Schauspieler Roger kennenlernt.

Freytag, dem die Erschießungen widerstreben, erkennt, dass die Uniform nicht Herold gehört. Trotzdem schützt er ihn vor Entdeckung und bleibt bei der Gruppe, die nun als „Leibgarde Herold“ zahlreiche weitere Häftlinge ermordet. Nach der Zerstörung des Lagers durch britische Artillerie und Flugzeuge zieht Herolds Gruppe in eine benachbarte Kleinstadt. Dort töten sie den Bürgermeister, berauben Passanten und feiern eine Orgie im besten Hotel. Aus Eifersucht und Rache lässt Herold seinen Rivalen Kipinski foltern und erschießen. Am nächsten Morgen verhaftet die Feldgendarmerie die Gruppe, aber Herold entkommt erneut.

Filmkritik von „Der Hauptmann“

Robert Schwentkes „Der Hauptmann“ basiert auf einem realen Fall und fungiert als historische Realsatire. Der Film provoziert und empört mit seinem erbarmungslosen Abbild der deutschen Gesellschaft im Jahr 1945. Die Schwarzweißbilder wirken ausdrucksstark und dokumentarisch zugleich, was dem Film einen besonderen Stil verleiht. Die minutiöse Ausstattung, effektive Montage und kontrastreiche Musik verstärken die Wirkung. Martin Todsharows Soundtrack kombiniert Soldatenlieder mit verfremdeter Originalmusik, was eine düstere Klangkulisse schafft. Der Film zeigt das NS-Militär als kleinliche Bürokraten und Opportunisten, deren Handlungen oft lebensgefährliche Konsequenzen haben. Herolds anfängliche Ausrede, um sein Überleben zu kämpfen, wird durch seinen wachsenden Machthunger entlarvt.

„Der Hauptmann“ vermeidet klassische Spannungsdramaturgie und konzentriert sich auf den Wahnsinn des Krieges. Groteske Zeitlupen-Tableaus und an Tarantino erinnernde Machtkämpfe illustrieren die Grausamkeit. Ein „bunter Abend“ im Lager beginnt mit derben Sketchen und endet in einer grausamen Raserei. Die Besetzung im Film trägt erheblich zur Wirkung bei, besonders Max Hubacher als Herold und Frederick Lau als Triebtäter Kipinski. Schwentke hebt sich mit diesem Film von üblichen Kriegsdramen ab und bietet galligen Humor und Denkanstöße. Bis zur überzogenen Abspannsequenz bleibt „Der Hauptmann“ ein unerschrockener, böser Antikriegsfilm, der durch seine Grenzüberschreitungen besticht.

Letzte Aktualisierung am 24.07.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API