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Im Netz kursieren seit Monaten erschreckend realistisch wirkende Videos, die behaupten, die beliebte „Bares für Rares“-Händlerin Susanne Steiger sei gestorben. Die Szenarien wechseln dabei ständig: Mal soll sie bei einem schweren Autounfall auf der Autobahn A61 ums Leben gekommen sein, nachdem ein Lkw die Spur wechselte und ihr Porsche sich überschlug. Mal heißt es, sie habe heimlich an Krebs gelitten. In anderen Videos ist von einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder sogar einem Elektroschock die Rede. Diese Clips sind professionell produziert – mit dramatischer Hintergrundmusik, einem seriös klingenden Nachrichtensprecher und angeblichen Dashcam-Aufnahmen oder Polizeiberichten. Wer nicht genau hinsieht, könnte sie tatsächlich für echte Nachrichten halten.
Die Macher dieser Videos arbeiten gezielt mit Schock und Emotionen. Sensationelle Titel wie „Susanne Steiger 1982–2025: An Kopfverletzung und Blutverlust gestorben“ werden mit erfundenen Details angereichert – etwa, dass sie kurz vor dem Unfall noch eine Instagram-Story mit einem Hund gepostet habe und „niemand ahnte, dass dies der letzte Moment sein würde, in dem ihre Fans sie lebend sehen würden.“ Sogar angebliche Abschiedsworte von Moderator Horst Lichter und Steigers letzte Wünsche werden in den Videos erfunden. Doch hinter all dem Spektakel steckt keine Wahrheit – sondern ein knallhartes Geschäftsmodell.
Geboren wurde Susanne Steiger am 9. Oktober 1982 in Aachen. Sie wuchs im rheinland-pfälzischen Bornheim auf. Schon früh entwickelte sie eine Leidenschaft für Schmuck und Wertgegenstände – nicht zuletzt durch die Arbeit in den Schulferien im Pfandhaus ihres Vaters. Obwohl sie zunächst den bodenständigen Weg einschlug und eine Ausbildung zur Steuerfachwirtin absolvierte, ließ sie sich von ihrer Leidenschaft nicht aufhalten. Sie arbeitete nebenbei als Kellnerin, sparte ihr erstes Geld zusammen und eröffnete damit ihren ersten eigenen Schmuckladen. Seit 2007 führt sie ein Geschäft zum An- und Verkauf in Kerpen, spezialisiert auf Schmuck. 2012 kam ein weiteres in Bornheim hinzu. 2015 ließ sie sich beim renommierten HRD-Institut in Antwerpen zur zertifizierten Diamantgutachterin ausbilden und verlieh ihrem Fachwissen damit internationales Gewicht.
Größere Bekanntheit erlangte Steiger durch ihre Teilnahme an der ZDF-Trödelshow „Bares für Rares„, der sie seit der zweiten Staffel 2014 als Schmuck- und Antiquitätenexpertin angehört. Ihren bislang größten Kauf tätigte sie 2019, als sie ein goldenes Schmuckkreuz aus der Zeit um 1700 mit 40 Karat Diamanten und päpstlich besiegeltem Holzsplitter für 42.000 Euro erwarb – bis ins Jahr 2024 war das in der Sendung der Rekordwert. Einen spektakulären Fund gelang ihr 2016 zusammen mit einem Kunstagenten: In einem Bonner Privathaushalt entdeckten sie das seit den 1980er Jahren verschollene Gemälde „Tulpe Sommerschön“ des Malers Balthasar van der Ast, das sie noch im selben Jahr bei Christie’s für rund 785.000 Euro versteigern ließ. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit ist Steiger auch begeisterte Springreiterin.
Angesichts einer wahren Flut an besorgten Reaktionen – über 20 Anrufe, unzählige E-Mails und sogar persönliches Klingeln an ihrer Haustür – entschied sich Susanne Steiger schließlich, selbst das Wort zu ergreifen. Auf ihrem Instagram-Account stellte sie klar: „Alles Fake News – ich lebe.“ Eine deutlichere Antwort hätte es kaum geben können. Wer ihrer Social-Media-Präsenz folgt, findet dort regelmäßige Beiträge, die ihre Aktivität bestätigen – zuletzt im Januar 2026 war sie zudem in aktuellen ZDF-Folgen von „Bares für Rares“ zu sehen.
Dass es sich bei den Todesmeldungen um vollständige Erfindungen handelt, liegt auf der Hand: Kein einziger seriöser Nachrichtensender, keine etablierte Zeitung und auch das ZDF selbst haben jemals über einen Todesfall berichtet. Die Berichte widersprechen sich gegenseitig in allen wesentlichen Details – Todesursache, Ort, Zeitpunkt und Umstände ändern sich von Video zu Video. Susanne Steiger führt ihre beiden Schmuckgeschäfte, nimmt an Springreitturnieren teil und steht regelmäßig vor der Kamera. Von einem Tod kann keine Rede sein.
Hinter den Videos stecken anonyme Scammer, die sich eine einfache Erkenntnis zunutze machen: Schockmeldungen über bekannte TV-Persönlichkeiten generieren enorme Klickzahlen – und Klicks bedeuten Werbeeinnahmen auf YouTube. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz lassen sich solche Videos in kürzester Zeit produzieren: Ein KI-generierter Nachrichtensprecher verleiht dem Ganzen Seriosität, dramatische Musik erzeugt Emotionen, und erfundene Details wie Dashcam-Aufnahmen oder interne Polizeiberichte sollen den Eindruck von Authentizität erwecken. Das Ergebnis sind Clips, die auf den ersten Blick kaum von echten Nachrichten zu unterscheiden sind.

Das Perfide an der Masche ist, dass sie sich selbst verstärkt: Besorgte Fans teilen die Videos aus purem Mitgefühl – und bescheren den Betrügern damit genau die Reichweite, die sie anstreben. Nach einer Sperrung durch YouTube werden die Kanäle einfach unter neuen Namen weitergeführt, und das Spiel beginnt von vorn. Wer konkret hinter diesen Kanälen steckt – welche Personen, Organisationen oder Länder –, lässt sich kaum nachverfolgen, da sie konsequent anonym operieren. Der einzige wirksame Schutz als Nutzer ist, solche Videos weder zu teilen noch anzuklicken und sie stattdessen über die YouTube-Melde-Funktion als „irreführende Inhalte“ zu markieren.
Susanne Steiger ist bei weitem nicht das einzige Opfer dieser Betrugsmasche. Auch Moderator Horst Lichter, der das Gesicht der Sendung seit ihren Anfängen ist, wurde bereits in solchen Fake-Videos für tot erklärt. Dasselbe ereilte die Händler Fabian Kahl und Wolfgang Pauritsch. Die Wahl fällt dabei offensichtlich nicht zufällig auf „Bares für Rares“: Die Sendung hat eine besonders treue, überwiegend ältere Zuschauerschaft, die eine starke emotionale Bindung an die Händlerinnen und Händler aufgebaut hat – und die deshalb besonders empfänglich für Schockmeldungen über ihre Lieblinge ist. Alle genannten Personen sind gesund und weiterhin aktiv.
Die Suche nach „Susanne Steiger Todesursache“ führt daher direkt in die Falle der Betrüger – denn eine Todesursache gibt es schlicht nicht, weil kein Todesfall stattgefunden hat. Susanne Steiger lebt, arbeitet und ist regelmäßig im ZDF zu sehen. Was im Netz kursiert, sind KI-generierte Fake-Videos, die mit Emotionen spielen und auf Kosten einer beliebten TV-Persönlichkeit Geld verdienen. Wer solchen Meldungen begegnet, sollte sie weder anklicken noch teilen – und im Zweifel einfach einen Blick auf Susanne Steigers Instagram werfen. Dort ist die Antwort eindeutig: Sie ist quicklebendig.