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Im Süden von Hannover, am Rand des Maschsees, steht das Niedersachsenstadion. Es zählt zu den traditionsreichsten Spielstätten des deutschen Fußballs. Seit den 1950er Jahren versammeln sich hier zehntausende Fans zu großen Spielen und machen die Arena zum sportlichen Herz der Stadt. Heute trägt das Rund offiziell den Namen Heinz von Heiden Arena. Viele Anhänger sprechen aber bis heute vom Niedersachsenstadion. Als Heimat von Hannover 96 hat der Ort viel erlebt. Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und unzählige Konzerte gehören dazu.
Über die Jahrzehnte hat das Stadion mehrfach seinen Namen gewechselt. Aus dem schlichten Niedersachsenstadion wurden die AWD Arena, die HDI Arena und schließlich die Heinz von Heiden Arena. Jeder dieser Namen erzählt ein Stück Wirtschafts- und Vereinsgeschichte und sorgte bei den Fans für hitzige Diskussionen. Rund um den Rasen ranken sich außerdem Geschichten über die Nordkurve. Ihre lautstarke Unterstützung ist legendär.
Die Wurzeln des Stadions reichen in die Nachkriegszeit zurück. Hannover hatte damals große Mengen an Kriegsschutt zu bewältigen. Zwischen 1952 und 1954 planten die Architekten Heinz Goesmann und Richard Konwiarz die Anlage. Charakteristisch war der Bau, bei dem die Stadt einen mächtigen Wall aus Trümmerschutt aufschüttete, der bis heute die Form der Arena prägt. Der Schutt stammte von zerstörten Gebäuden aus dem Zweiten Weltkrieg. Am 26. September 1954 wurde das Niedersachsenstadion eingeweiht. Es bot Platz für 86.656 Zuschauer, die Baukosten lagen bei vier Millionen D-Mark.
Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde die alte Anlage zu rund 70 Prozent abgerissen. Aus ihr wurde ein reines Fußballstadion. Von Anfang 2003 bis zum 23. Januar 2005 entstand für gut 63 Millionen Euro ein moderner, überdachter Neubau, von dem allein der Wall der Westtribüne erhalten blieb. Dieser alte Wall bietet bis heute knapp 20.000 Plätze. Während des Konföderationen-Pokals 2005 und der WM 2006 hieß das Rund neutral FIFA WM-Stadion Hannover. Der Grund war die Rücksicht auf die FIFA. Heute fasst die Arena rund 49.000 Zuschauer, davon bis zu 8.000 auf Stehplätzen.
Fast fünf Jahrzehnte lang hieß die Spielstätte schlicht Niedersachsenstadion. Erst 2002 begann die Vermarktung des Namens. Mit der AWD Holding sicherte sich ein Finanzdienstleister aus Hannover die Namensrechte und gab dem Stadion den Namen AWD Arena. AWD wurde vom Unternehmer Carsten Maschmeyer gegründet. Damit gehörte das Niedersachsenstadion zu den ersten großen deutschen Arenen mit einem Sponsornamen.
Nach der Übernahme von AWD durch den Schweizer Konzern Swiss Life kündigte sich das Ende der Partnerschaft an. Im Januar 2012 verlängerte die AWD-Gruppe den Vertrag noch einmal um ein Jahr bis zum Sommer 2013. Am 13. Februar 2013 wurde dann bekannt, dass Swiss Life eine weitere Verlängerung des Vertrags öffentlich ablehnte. Bereits am 19. April 2013 präsentierte die HDI-Gruppe aus dem Talanx-Konzern einen Vertrag über sieben Jahre. Ab Juli 2013 firmierte das Stadion als HDI Arena und seit 1. Juli 2022 als Heinz von Heiden Arena, benannt nach dem Massivhaus-Unternehmen.
Das Herz der Stimmung schlägt in der Nordkurve. Dort versammeln sich die treuesten Anhänger von Hannover 96. Im Oberrang sitzen die Fans. Im Unterrang hinter dem Tor liegen die Stehplätze, von denen aus die Ultras das gesamte Stadion zum Klingen bringen und den Gegner unter Druck setzen. Von hier kommen die Gesänge, Choreografien und Fahnenmeere. Diese begleiten jedes Heimspiel. Die Kurve gilt als Rückgrat der Fanszene.

Die Geschichte der aktiven Fanszene reicht bis in die 1970er Jahre zurück. Damals formierte sich die sogenannte Lindener Kurve im Block M der Westtribüne. Aus Sicherheits- und wirtschaftlichen Gründen zog der harte Kern der Anhänger Anfang der 1980er Jahre hinter das Tor, wo sich die Szene dauerhaft einrichtete. Unter dem Namen Rote Wölfe wurde einer der größten Fanclubs bekannt. Sein Ruf reichte weit über Hannover hinaus. Im September 2015 wandelte der Verein rund 200 Sitzplätze in der Nordkurve in etwa 400 Stehplätze um.
Seit 1959 trägt Hannover 96 seine Heimspiele im Niedersachsenstadion aus. Der Ort ist damit untrennbar mit dem Verein verbunden. Die Mannschaft, wegen ihrer Trikots schlicht die Roten genannt, bestritt hier ihr erstes Spiel gegen Arminia Hannover und gewann es knapp mit 1:0. Über die Jahrzehnte erlebten die Fans im Stadion Aufstiege, Abstiege und mitreißende Bundesligaduelle. Der Ort wurde so zur festen Größe im norddeutschen Fußball. Zugleich ist er das Wohnzimmer einer ganzen Region.
Rund um den Profifußball nutzen auch die zweite Mannschaft von Hannover 96 und gelegentlich weitere Vereine den Rasen. Die Adresse in der Robert-Enke-Straße erinnert an den 2009 verstorbenen Nationaltorwart der Roten und macht die enge Bindung zwischen Klub und Stadt sichtbar. Über die Spielzeiten hinweg diente das Stadion als Kulisse für viele Vereinsmomente. Diese sind den Anhängern bis heute in Erinnerung geblieben. Für die Fans ist die Arena damit fest mit der Identität von Hannover 96 verwachsen.
Bei der Weltmeisterschaft 1974 rollte der Ball in Hannover gleich bei vier Partien über den Rasen, darunter das Duell zwischen Brasilien und Argentinien. Die Südamerikaner entschieden es mit 2:1 für sich. Vierzehn Jahre später gastierte die Europameisterschaft 1988 mit zwei Gruppenspielen in der Stadt. Schon am 16. Oktober 1954 hatte die deutsche Nationalmannschaft hier ihr erstes Länderspiel bestritten. Es war das erste von insgesamt 25 und endete mit einer 1:3-Niederlage gegen Frankreich.

Nach dem Umbau kehrte das große Fußballfest 2006 zurück. Das FIFA WM-Stadion Hannover richtete fünf Weltmeisterschaftsspiele aus. Neben vier Vorrundenpartien erlebte das Publikum ein packendes Achtelfinale zwischen Spanien und Frankreich, das die Franzosen mit 3:1 gewannen. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Konföderationen-Pokal 2005 für internationale Atmosphäre gesorgt. Drei Begegnungen fanden statt, darunter ein dramatisches Halbfinale. Solche Spiele machten das Stadion zu einer festen Adresse im Weltfußball.
Abseits des Fußball zählt das Stadion zu den wichtigsten Open-Air-Bühnen Norddeutschlands. Es füllt sich auch ohne Anpfiff regelmäßig. Bereits 1982 eröffneten die Rolling Stones den Reigen der großen Konzerte und lockten Zehntausende in das Rund. Einen bis heute erinnerten Rekord stellte Phil Collins auf. Er begeisterte 1994 an vier aufeinanderfolgenden Abenden rund 240.000 Menschen. Später gaben sich zahllose Weltstars in Hannover die Klinke in die Hand. Dazu zählten Madonna mit rund 40.000 Fans im Jahr 2006, U2, Coldplay, Herbert Grönemeyer, Helene Fischer und Rammstein.
Auch jenseits von Fußball und Musik diente das Stadion über viele Jahrzehnte als Bühne. In der Vergangenheit fanden hier Leichtathletik-Meisterschaften, Turnfeste und mehrere DFB-Pokal-Endspiele statt, die in den 1960er und 1970er Jahren Sportgeschichte schrieben. Selbst ein Eishockeyspiel unter freiem Himmel fand hier statt. Es zog im Dezember 2022 rund 32.000 Zuschauer an und zeigte die Wandelbarkeit der Anlage. Diese Vielseitigkeit unterstreicht die Bedeutung des Ortes.