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Der Einstieg ins Studium stellt einen wichtigen Schritt im Leben eines Menschen dar. Auch wenn man nicht sein gesamtes Lebensglück auf dieser Entscheidung beruhen lassen sollte, gibt es doch gute Gründe, sich gründliche Gedanken zu machen. Wie kann es also vermieden werden, dass Fehlentscheidungen bei der Studienwahl getroffen werden? Und wie lassen sich hohe Abbruchquoten vermeiden?
Diese und weitere Fragen wurden jetzt auf der Fachtagung “Brücken ins Studium” besprochen, die über zwei Tage in Stuttgart stattgefunden hat. Ausgerichtet wurde es vom MINT-Kolleg Baden-Württemberg. Der Blick richtet sich dabei sowohl auf die Zeit vor dem Studium, als auch danach. Mit dabei waren unter anderem Verantwortliche aus dem Hochschulmanagement, ebenso aber auch Lehrer verschiedener Fachrichtungen und Studienberater. Den Rückblick auf die Tagung gibt es in diesem Artikel.
Die Schulzeit würde wohl von vielen Schülern anders wahrgenommen werden, wenn sie zu dieser Zeit bereits einen Einblick ins Studium gewonnen hätten. Nicht nur würden Schüler sehen, dass das Arbeitspensum noch um ein Vielfaches ansteigen kann, sondern es würde auch Perspektiven geben, die das tägliche Lernen vereinfachen würden. Der Einstieg in das Studium sollte ein wohlüberlegter Schritt sein. Die Praxis zeigt aber, dass viele Studierende bald mit ihrer Entscheidung hadern und langfristig auch abbrechen. Wie diese Folgen vermieden werden können, wurde jetzt auf der Fachtagung “Brücken ins Studium” in Stuttgart besprochen. Die Tagung fand am 20. und 21. März 2018 statt.
Ausrichter der Tagung war das MINT-Kolleg Baden-Württemberg. Die Schirmherrschaft wurde vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg übernommen. Das konkrete Ziel bestand darin, sich über die Reduzierung von Studienabbrüchen und die Förderung heterogener Studierendengruppen auszutauschen. Das MINT-Kolleg ist eine Einrichtung, die gemeinsam von der Universität Stuttgart und dem Karlsruher Institut für Technologie betrieben wird. Sie hat den Zweck, den Schritt vom Abitur in die MINT-Studiengänge, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, zu erleichtern. Dafür gibt es verschiedene Angebote, zu denen neben Fachtagungen auch Vorkurse und Brückenkurse gehören, ebenso Orientierungssemester und Online-Angebote. Schülern soll geholfen werden, die “Sprache der Universität” zu lernen.
Es gab bei der Fachtagung in Stuttgart drei wesentliche Schwerpunkte, auf die man sich inhaltlich konzentriert hat. Zum einen ging es um Orientierung und Beratung. Konkret sollen Fehlentscheidungen bei der Studienwahl vermieden werden, zudem soll es eine fachspezifische Beratung geben, zu der auch die Aufklärung über die Berufsaussichten gehört. Die Studierenden sollen dabei unterstützt werden, ihre Stärken und Schwächen kritisch einordnen zu können, um sie mit den Anforderungen des jeweiligen Studiengangs abzugleichen. Eine weitere Säule bestand in der Frage der Qualifizierung. Das betraf die Aufarbeitung fehlender Vorkenntnisse und die Kompetenzen vor dem eigentlichen Studienbeginn. Flexible Studienmodelle könnten hier die Antwort sein.
Die dritte wichtige Säule betraf die Förderung. So sollen gezielt Schüler, Studienanfänger, Eltern mit Kind, Erstakademiker, internationale Studierende und Menschen mit alternativen Bildungswegen gefördert werden. Das kann bereits vor dem Studium anfangen. Schülerlabore und Science Camps können die Motivation anregen. Auch kann es Mentoring-Programme zum Studienbeginn geben, die bei der Eingewöhnung helfen. Frühere Kontakte zur Berufswelt und zur Forschung können ebenfalls helfen. In Stuttgart waren unterschiedliche Teilnehmer zu Gast. Dazu gehörten Menschen aus dem Hochschulmanagement, Studienberater und auch Lehrer, die ebenfalls dabei helfen, den Weg vom Abitur zum Studium zu ebnen.
Die Tagung begann am Dienstag, 20. März, mit der Registrierung und einem Willkommenskaffee ab 12 Uhr. Um 13 Uhr begann die Tagung mit der Ansprache von Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Anschließend begrüßte Dr.-Ing. Claudia Goll, die Leiterin des MINT-Kollegs Baden-Württemberg, die Teilnehmer. Es folgte der erste Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Hippler zum Thema “Gute Praxis in der Studieneingangsphase”. Es folgten zahlreiche Sessions, Vorträge und Workshops. Am Mittwoch folgten die Keynote-Vorträge “Forschungsorientierung in der Studieneingangsphase” durch Prof. Dr. Gabi Reinmann und “Das Spannungsfeld Schule – Hochschule WiMINT” von Prof. Dr. Klaus Dürrschnabel.
Tatsächlich kann der Schritt von der Schule ins Studium sehr beängstigend sein. Das gilt vor allem dann, wenn man keine Orientierung hat, weil es vielleicht in der eigenen Familie noch niemanden gab, der bisher studiert hat. Die Abläufe an den Universitäten laufen ganz anders als an Schulen ab, was den Einstieg in die Fächer zusätzlich erschwert. Vor der Studienwahl sollte man sich grundsätzlich zwei Fragen stellen: Was kann ich gut und was kann ich stundenlang machen, ohne dabei auf die Uhr zu schauen? Online findet man bei den meisten Universitäten sogenannte Online-Self-Assessments. Das sind Tests, die nicht benotet werden, aber einen typischen Tag im Studium aufzeigen. So kann man vorfühlen, ob ein bestimmtes Fach die richtige Wahl sein kann.
Es lohnt sich auch, die Vorlesungsverzeichnisse der Universitäten durchzuschauen. Hier findet man nicht nur die Namen der Fächer, sondern auch die konkreten Inhalte. Je konkreter, desto besser. So kann man abschätzen, ob eine Beschäftigung mit den Themen tatsächlich mit den eigenen Interessen und Stärken einhergeht. Gespräche mit Studierenden sind eine weitere Möglichkeit, um einen Eindruck von den Erwartungen und Abläufen zu gewinnen. Und der Besuch einer Vorlesung zeigt wirklich ganz genau, wie sich das Universitätsleben anfühlen kann. Wer sich dort pudelwohl fühlt und aufmerksam das Thema verfolgt, hat gute Chancen, dass er auch während des Studiums am Ball bleibt.
Es ist gar nicht so einfach zu wissen, was man eigentlich im Leben will, wo die eigenen Stärken liegen und welche Ziele man verfolgen sollte. Eine Möglichkeit, um etwas Ordnung ins Chaos zu bringen, ist der Ikigai Ansatz. Der stammt aus Japan und lässt sich mit “das, wofür es sich zu leben lohnt” übersetzen. Der Ansatz kann auch bei der Studienwahl helfen. Es gibt vier Aspekte: Was man liebt, was man gut kann, was die Welt braucht und das, wofür man bezahlt werden kann.
Diese vier Aspekte bilden verschiedene Schnittmengen. Talent und Bezahlung können auf einen guten Beruf hindeuten, bei dem es aber an Herzblut fehlt. Wo sich aber Leidenschaft und Talent überschneiden, gibt es etwas, was man einfach liebt zu tun. Insgesamt gilt es, den Sweet Spot dieser Schnittmengen zu finden. Es ist nicht einfach, diesen Punkt zu finden, doch wer diese vier Aspekte in Worte fasst, kann eher finden, in welche Richtung sein Leben zielen sollte.