Heizung entlüften
Haus & Garten

Heizung entlüften: Reihenfolge, Wasserdruck und typische Fehler

Die Heizung gluckert, wird nur teilweise warm oder macht seltsame Geräusche – dann ist meistens Luft im System. Heizung entlüften gehört zu den einfachsten Wartungsarbeiten im Haushalt und dauert pro Heizkörper kaum zwei Minuten. Diese Anleitung erklärt euch Schritt für Schritt, wie ihr eure Heizung richtig entlüftet, in welcher Reihenfolge ihr vorgehen solltet und welche Fehler ihr vermeiden müsst. 🔧

Woran erkennt ihr, dass die Heizung entlüftet werden muss?

Im Laufe der Heizperiode gelangt über Ventile, Verbindungsstellen und das Nachfüllen von Wasser immer wieder Luft ins Heizsystem. Diese Luftblasen verhindern, dass das heiße Wasser gleichmäßig durch den Heizkörper zirkuliert. Die typischen Anzeichen sind leicht zu erkennen: Der Heizkörper gluckert oder klopft, bleibt im oberen Bereich kalt, obwohl das Thermostat aufgedreht ist, oder braucht deutlich länger als sonst, um warm zu werden.

Wann solltet ihr entlüften? Idealerweise vor Beginn jeder Heizperiode im Herbst und zusätzlich immer dann, wenn eines der genannten Symptome auftritt. Wie oft ihr eure Heizung entlüften müsst, hängt von der Anlage ab – bei älteren Systemen kann das mehrmals pro Saison nötig sein. Regelmäßiges Entlüften spart laut Verbraucherzentralen bis zu 15 Prozent Heizkosten, weil die Wärme wieder effizient abgegeben wird.

Was braucht ihr zum Heizung entlüften?

Das Werkzeug ist denkbar einfach und kostet insgesamt weniger als fünf Euro. Der Schlüssel zum Heizung entlüften ist ein sogenannter Vierkantschlüssel (auch Entlüftungsschlüssel genannt) mit 5 mm Innenvierkant. Er passt auf die meisten Entlüftungsventile und ist in jedem Baumarkt erhältlich. Manche Heizkörper – etwa von Buderus oder älteren Modellen – haben stattdessen einen Schlitz, der sich mit einem Schlitzschraubendreher öffnen lässt. Zusätzlich braucht ihr ein kleines Gefäß zum Auffangen von Wasser und einen Lappen.

So entlüftet ihr eure Heizung richtig in 5 Schritten

Bevor ihr mit dem Entlüften beginnt, solltet ihr die Umwälzpumpe abschalten und 30 bis 60 Minuten warten. Die Zirkulation kommt zum Erliegen, und die Luftblasen steigen nach oben in die Heizkörper. Dreht außerdem alle Thermostate vollständig auf. Ob ihr die Heizung entlüften könnt, ohne die Umwälzpumpe abzustellen: Grundsätzlich ja, aber die Ergebnisse sind schlechter, weil die Luft durch die Strömung verteilt bleibt. Bei einer Gastherme oder Buderus-Heizung stellt ihr die Pumpe direkt an der Therme ab.

  1. Auffanggefäß und Lappen am Entlüftungsventil positionieren. Das Ventil sitzt auf der gegenüberliegenden Seite des Thermostats, meist oben am Heizkörper.
  2. Ventil vorsichtig öffnen – mit dem Entlüftungsschlüssel eine Viertel- bis halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Ein Zischen zeigt, dass Luft entweicht.
  3. Warten, bis nur noch Wasser kommt. Wie lange das Entlüften dauert, variiert – bei stark belüfteten alten Heizkörpern können es 30 Sekunden sein, bei wenig Luft reichen wenige Sekunden.
  4. Ventil wieder schließen, sobald ein gleichmäßiger Wasserstrahl austritt. Nicht zu fest zudrehen, um das Ventil nicht zu beschädigen.
  5. Wasserdruck prüfen. Geht zum Manometer an eurer Heizungsanlage und kontrolliert den Druck. Er sollte zwischen 1,0 und 1,5 bar liegen. Ist er zu niedrig, muss Wasser nachgefüllt werden.

In welcher Reihenfolge solltet ihr die Heizkörper entlüften?

Die Frage, ob ihr beim Heizung entlüften von oben nach unten oder umgekehrt vorgehen sollt, sorgt regelmäßig für Verwirrung. Das Prinzip: Luft ist leichter als Wasser und steigt im geschlossenen System nach oben. Wenn ihr unten anfangt, drückt das nachströmende Wasser die verbliebene Luft in die oberen Heizkörper, wo ihr sie beim letzten Durchgang herauslasst. Fangt ihr dagegen oben an, schiebt ihr die Restluft aus den unteren Etagen in die bereits entlüfteten Heizkörper zurück.

Für ein ganzes Haus gilt deshalb: Beginnt im untersten Stockwerk und arbeitet euch nach oben. Innerhalb einer Etage fangt ihr beim Heizkörper an, der am nächsten zur Heizungsanlage steht. In einer eingeschossigen Wohnung spielt die Reihenfolge keine Rolle.

Heizung entlüften in der Mietwohnung und im Mehrfamilienhaus

In einer Mietwohnung dürft ihr eure Heizkörper grundsätzlich selbst entlüften – das gilt als einfache Wartungsmaßnahme. An die Umwälzpumpe kommt ihr als Mieter aber meistens nicht heran. Entlüftet in diesem Fall ohne die Pumpe abzustellen und lasst die Heizkörper vorher mindestens eine Stunde auf höchster Stufe laufen.

Im Mehrfamilienhaus solltet ihr die Hausverwaltung informieren, bevor ihr loslegt. Wenn nach dem Entlüften der Wasserdruck zu stark sinkt, betrifft das alle Parteien. Das Nachfüllen von Wasser ist Aufgabe des Vermieters – nicht eure. Meldet euch rechtzeitig, damit ein Fachmann die Anlage prüfen kann.

Alte Heizung entlüften ohne Entlüftungsventil oder ohne Schlüssel

Manche alten Heizkörper haben kein sichtbares Entlüftungsventil. Oft sitzt die Entlüftung hinter einer Abdeckkappe oder Verschraubung am oberen Heizkörperende. Schraubt vorsichtig die Kappe ab – darunter findet sich meist ein Vierkant oder ein Schlitz. Bei sehr alten Gussradiatoren fehlt das Ventil manchmal komplett. Hier hilft nur der Einbau eines Entlüftungsventils durch einen Installateur, was unter 30 Euro kostet.

Wenn ihr den passenden Schlüssel zum Heizung entlüften nicht zur Hand habt, könnt ihr bei Ventilen mit Schlitz einen flachen Schraubendreher verwenden. Für Vierkant-Ventile gibt es Kombinationszangen, allerdings besteht dabei die Gefahr, das Ventil zu beschädigen. Besser: Einen Vierkantschlüssel kaufen – er kostet unter zwei Euro.

Heizung wird nicht warm trotz Entlüften – was dann?

Wenn der Heizkörper auch nach dem Entlüften nicht richtig warm wird oder weiterhin gluckert, liegt das Problem meist woanders. Häufige Ursachen sind ein zu niedriger Wasserdruck, ein festsitzendes Thermostatventil oder eine defekte Umwälzpumpe. Prüft zuerst am Manometer, ob der Druck im grünen Bereich liegt – unter 1,0 bar muss Wasser nachgefüllt werden.

Eine weitere häufige Ursache ist ein klemmender Ventilstift. Der kleine Metallstift unter dem Thermostatkopf kann sich durch Kalk festsetzen. Nehmt den Thermostatkopf ab und versucht, den Stift vorsichtig mit einer Zange zu bewegen. Lässt er sich nicht lösen, solltet ihr einen Heizungsinstallateur kontaktieren.

Fazit

Heizung entlüften ist keine Raketenwissenschaft – ihr braucht einen Vierkantschlüssel, ein Auffanggefäß und zehn Minuten Zeit. Wichtig ist die richtige Reihenfolge von unten nach oben, ein Blick auf den Wasserdruck und Geduld nach dem Abschalten der Umwälzpumpe. Wer das ein- bis zweimal pro Saison macht, spart Heizkosten und sorgt dafür, dass jeder Heizkörper gleichmäßig warm wird.