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Empfindliche Haut reagiert auf viele Pflegeprodukte mit Rötungen, Spannungsgefühl oder Juckreiz. Pflanzenöle, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind, gelten in der Dermatologie seit Jahren als sanfte Alternative zu synthetischen Wirkstoffen. Hanfsamenöl hat sich in diesem Bereich einen festen Platz erarbeitet, weil sein Fettsäureprofil der natürlichen Zusammensetzung der menschlichen Haut sehr ähnelt.
Hanfsamenöl wird durch Kaltpressung aus den Samen der Hanfpflanze gewonnen und enthält weder THC noch CBD, weil sich Cannabinoide ausschließlich in anderen Pflanzenteilen wie Blüten und Harz bilden, nicht im Samen. Es handelt sich um ein rein kosmetisches Trägeröl.
Die menschliche Hornschicht besteht zu einem großen Teil aus Lipiden, vor allem aus Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren. Linolsäure ist ein Baustein dieser Ceramide und hält die Zellverbindungen der Hornschicht zusammen. Hanfsamenöl enthält bis zu 60 Prozent Linolsäure, was es zu einer der fettsäurereichsten pflanzlichen Quellen für die Hautpflege macht. Fehlen der Haut diese Lipide, verliert sie schneller Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf äußere Reize.
Neben Linolsäure liefert das Öl auch Alpha-Linolensäure (Omega-3) und Gamma-Linolensäure. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt bei etwa 3:1, was Ernährungswissenschaftler als nahezu ideal für die Hautgesundheit bewerten. Gamma-Linolensäure wirkt beruhigend auf gereizte Hautzellen und unterstützt die Regeneration des Schutzfilms auf der Hautoberfläche. Kalt gepresstes Öl bewahrt dieses Fettsäurespektrum vollständig, während raffinierte Varianten einen Teil der wertvollen Inhaltsstoffe einbüßen.
Eine intakte Hautbarriere verhindert, dass Wasser aus der Haut verdunstet, und hält Schadstoffe sowie Allergene draußen. Bei empfindlicher oder trockener Haut ist dieser Schutzfilm häufig gestört, weil die Hornschicht zu wenig eigene Lipide produziert. Hanfsamenöl dringt in die oberen Hautschichten ein und unterstützt den Hydrolipid-Mantel, indem es fehlende Lipide von außen ergänzt, ohne die Poren zu verstopfen. Regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen zeigt in der Praxis messbare Verbesserungen beim Feuchtigkeitsgehalt der Haut.
Der geringe Komedogenitätswert von Hanfsamenöl (nahe 0) macht es auch für Mischhaut oder leicht zur Akne neigende Haut geeignet. Das Öl reguliert die Talgproduktion, ohne das Gleichgewicht der Hautflora zu stören, was bei Pflegeölen mit hohem Ölsäureanteil manchmal ein Problem darstellt. Trockene Stellen werden versorgt, fettige Zonen bleiben matt.
Trockene Haut leidet unter einem dauerhaften Mangel an Feuchtigkeit in der Hornschicht. Das führt zu Spannungsgefühl, feinen Rissen und Schuppenbildung. Hanfsamenöl bindet Feuchtigkeit in der Hornschicht, indem seine Fettsäuren die Lipidlücken zwischen den Hornzellen auffüllen und so den transepidermalen Wasserverlust reduzieren.

Besonders im Herbst und Winter, wenn Heizungsluft und Kälte die Haut austrocknen, zeigt das Öl seinen Nutzen. Eine klinische Studie untersuchte Personen mit atopischer Dermatitis, die über mehrere Wochen Hanfsamenöl einnahmen. Hauttrockenheit und Juckreiz gingen bei den Teilnehmern messbar zurück, und der Bedarf an äußerlich angewendeten Medikamenten sank. Die kosmetische Anwendung auf der Haut verfolgt ein ähnliches Ziel: die Barriere von außen stärken.
Gereizte Haut reagiert auf Temperaturwechsel, Reinigungsprodukte oder Umwelteinflüsse mit Rötungen und einem Brennen. Gamma-Linolensäure hemmt bestimmte Entzündungsmediatoren in der Haut, was die Intensität von Rötungen und Spannungsgefühl spürbar mindert. Dieser Mechanismus macht das Öl auch für Haut interessant, die zu Neurodermitis oder Schuppenflechte neigt. Für akute Schübe ersetzt es keine ärztliche Behandlung, kann aber als unterstützende Basispflege in den Alltag eingebunden werden.
Das Öl enthält außerdem Vitamin E, ein fettlösliches Antioxidans, das freie Radikale abfängt. Freie Radikale entstehen durch UV-Strahlung, Stress und Luftverschmutzung und greifen die Lipidstruktur der Haut an, wenn sie unkontrolliert bleiben. Vitamin E im Hanfsamenöl schützt die Fettsäuren im Öl selbst vor Oxidation und wirkt gleichzeitig auf der Haut antioxidativ.
Hanfsamenöl lässt sich pur auf gereinigte Haut auftragen oder als Zusatz in vorhandene Pflegecremes einarbeiten. Für das Gesicht reichen zwei bis drei Tropfen, die mit sanften Kreisbewegungen in die noch leicht feuchte Haut einmassiert werden sollten, damit sich die Fettsäuren optimal verteilen. Das Öl zieht schnell ein und hinterlässt keinen fettigen Film.

Als Körperpflege eignet es sich besonders für trockene Stellen wie Ellbogen, Knie und Unterschenkel. Nach dem Duschen auf die feuchte Haut aufgetragen, verbessert es die Aufnahme der Fettsäuren in die Hornschicht deutlich. Im Handel findet man Hanfsamenöl sowohl als reines Trägeröl als auch als Bestandteil in Lotionen, Seren und Körperbutter. Bei der Auswahl lohnt ein Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, da der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren das Öl anfällig für Oxidation macht.