Farbenblind: Wenn Farben nicht vollständig sichtbar sind

Farbenblind: Wenn Farben nicht vollständig sichtbar sind

Wer umgangssprachlich von Farbenblindheit redet, meint in der Regel eine der verschiedenen Sehstörungen, die die Wahrnehmung der Farben betreffen. Farbenblind ist also nicht gleich farbenblind. Die Diagnose bei Farbenblindheit, die in einigen Abstufungen vorkommt, betrifft ungefähr 8 Prozent der Männer und nur 0,4 Prozent der Frauen.

Die Ursachen der Farbenblindheit

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Menschen die Welt in bunten Farben wahrnehmen. So kann ein bestimmter Test Farbenblindheit, aber auch verschieden ausgeprägte Sehstörungen von Farben feststellen. Dabei kommt die sogenannte Achromasie, also eine vollständige Farbenblindheit, bei der Betroffene lediglich Hell-Dunkel-Abstufungen sehen, nur äußerst selten vor: nur etwa 2700 Fälle in Deutschland.1 Doch wie entsteht eigentlich eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Sehstörung, die das Wahrnehmen von Farben betrifft?

Sehschwäche bei Farben In der Netzhaut der Augen befinden sich drei Varianten von Zapfenzellen, die für die Wahrnehmung unterschiedlicher Wellenlängen verantwortlich sind. So gibt es Zapfen für blaue, grüne und rote Wellenlängen. Gelangt das Licht nun an die entsprechenden Zellen, leiten diese die Information über die Nervenbahnen zum Gehirn weiter, wo schließlich das gesehene Bild entsteht. Sind Frauen oder Männer nun farbenblind, dann fehlen Zapfen entweder vollständig oder sie sind in ihrer Funktion eingeschränkt. Aus diesem Grund gibt es verschieden Formen der Farbenblindheit, wobei die Rot-Grün-Blindheit am häufigsten vorkommt. Seltener kommt es vor, dass die Zapfen für blaue Lichtwellen eingeschränkt oder gar nicht funktionieren und so eine Blau-Gelb-Farbsehschwäche beziehungsweise Farbenblindheit entsteht. Des Weiteren kann eine sogenannte Monochromasie bestehen. In solchen Fällen ist nur ein Zapfentyp in der Lage, seine Funktion auszuüben, weshalb Betroffene dieser Sehstörung gleich zwei Farben sowie deren Mischformen nicht wahrnehmen. [2]

Ist eine Person farbenblind, so liegt dies in den meisten Fällen an einer genetischen Veranlagung. Die Sehstörung ist dann also angeboren. Seltener kommt es vor, dass die Fähigkeit Farben wahrzunehmen, durch Medikamente oder Erkrankungen, wie beispielsweise grauer oder grüner Star, aber auch bei Vorliegen von Diabetes Mellitus oder Multipler Sklerose, abnimmt. [1],[2]

Können Frauen farbenblind sein?

Es sind wesentlich mehr Männer als Frauen von Farbenblindheit betroffen und die Krankheit wird in den meisten Fällen durch Vererbung weitergegeben. Doch wie ist hier der Zusammenhang? Aus welchem Grund kommen Sehstörungen von Farben bei Männern häufiger vor? Es ist eine Frage der Gene. Farbenblind zu sein, hängt so gut wie immer mit dem X-Chromosom zusammen, denn hier liegen die Gene für die Rezeptoren für die Wahrnehmung von roten und grünen Frequenzen. Somit befindet sich lediglich das Gen für blaue Wellen an anderer Stelle, doch diese Variante der Farbenblindheit kommt genau wie die Achromasie nur selten vor.

Die Tatsache, dass Männer allgemein häufiger von Farbenblindheit und im Speziellen wesentlich öfter als Frauen von der Rot-Grün-Schwäche betroffen sind, ist also in ihrem Chromosomensatz begründet. Doch beginnen wir von vorne und am Beispiel der Variante, dass eine Person rot-grün-farbenblind ist: Männer haben jeweils ein X- und ein Y-Chromosom, während bei Frauen das X-Chromosom doppelt vorliegt.

Kommt bei Frauen mit XX-Chromosomensatz also je ein defektes und ein gesundes Gen für das Sehen von Farben vor, dann dominiert stets das intakte Gen. Die Frau kann also Farben korrekt wahrnehmen und ist nicht von Farbenblindheit betroffen. Sie ist jedoch in der Lage die genetische Besonderheit weiterzugeben und so können ihre Kinder farbenblind geboren werden.

Kommt bei Männern mit XY-Chromosomensatz ein defektes Gen für das Farbsehen vor, dann besteht keine Chance auf Ausgleich und es kommt zur Ausprägung der Farbenblindheit.

Es ist somit gut nachvollziehbar, dass die Sehstörung, welche sich auf die Farben Rot und Grün bezieht, nur dann bei Frauen vorkommen kann, wenn sie von beiden Eltern vererbt wird. Nur in solchen Fällen, in denen das entsprechende Gen auf beiden X-Chromosomen defekt ist, sind auch weibliche Personen im Endergebnis farbenblind.

Farbenblind – und nun?

Ob bei Frauen oder Männern, Farbenblindheit lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht heilen. Doch es gibt Möglichkeiten, die Symptome der Sehstörung zu mildern und zumindest die Kontraste der Farben zu verbessern. Lediglich bei der vollständigen Farbenblindheit, also dem Zustand, wenn alle Arten von Zapfenzellen fehlen oder ohne Funktion sind, ist dies nicht möglich. Ansonsten können getönte Brillen oder Kontaktlinsen Abhilfe schaffen. Des Weiteren erleichtert es den persönlichen Alltag, wenn sich betroffene Personen beispielsweise die Ampelfarben einprägen und so wissen, dass das grüne Licht unten erscheint, während rot oben leuchtet. Ist jemand farbenblind, dann helfen zudem verschiedene Apps, Farben einzuordnen und so auf eine ganz eigene Art und Weise zu erkennen. Farbenblindheit kann unangenehm sein, doch es gibt für Frauen wie auch für Männer Mittel und Wege, die den Alltag erleichtern.


[1] „Farbenblindheit“. Bund.de, https://gesund.bund.de/farbenblindheit. Zugegriffen 13. Dezember 2023.
[2] „Was bedeutet es, farbenblind zu sein?“ AOK – Die Gesundheitskasse, 19. Juni 2023, https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/organe/was-bedeutet-es-farbenblind-zu-sein/. Zugegriffen 13. Dezember 2023