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Der deutsche Film hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt mit den Alltagsrealitäten türkischstämmiger Familien auseinandergesetzt. Während einige Produktionen den Fokus auf dramatische Konflikte legen, wählen andere den Weg der Komödie. „Einmal Hans mit scharfer Soße“ gehört zur zweiten Kategorie und versucht sich an einer humorvollen Annäherung an die Frage, wie sich kulturelle Prägung und moderne Lebensführung miteinander vereinbaren lassen.
Regisseurin Buket Alakuş greift dabei auf die autobiografisch gefärbte Romanvorlage von Hatice Akyün zurück. Die 2013 entstandene Kinoproduktion reiht sich ein in eine Reihe deutsch-türkischer Komödien, die das Zusammenleben verschiedener Kulturen thematisieren. Die Koproduktion von Wüste Film mit dem NDR und Arte setzt auf einen leichten Ton und verzichtet weitgehend auf sozialpolitische Schwere.
„Einmal Hans mit scharfer Soße“ ist eine deutsche Komödie aus dem Jahr 2013. Regie führte Buket Alakuş, das Drehbuch verfasste Ruth Toma nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Hatice Akyün. Die Hauptrollen spielen İdil Üner als Hatice Coscun, Adnan Maral als ihr Vater Ismail und Şiir Eloğlu als Mutter Emine. Sesede Terziyan verkörpert die jüngere Schwester Fatma, Demet Gül und Hüseyin Ekici spielen die Geschwister Abla und Mustafa.
In weiteren Rollen sind Julia Dietze, Steffen Groth, Janek Rieke und Max von Thun zu sehen. Für die Kameraarbeit zeichnete Jutta Pohlmann verantwortlich, die Musik stammt von Ali N. Askin, den Schnitt besorgte Andreas Radtke. Der Film wurde von Uwe Kolbe, Stefan Schubert und Ralph Schwingel produziert. Die Dreharbeiten fanden im September und Oktober 2012 statt. Die Laufzeit beträgt 96 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 6 Jahren. Die Uraufführung erfolgte am 28. September 2013 beim Filmfest Hamburg, der Kinostart war am 12. Juni 2014.
Hatice Coscun arbeitet als Journalistin in Hamburg und führt ein selbstbestimmtes Leben fernab traditioneller türkischer Konventionen. Allerdings trägt sie, wie sie selbst einräumt, noch ein kleines Anatolien im Kopf mit sich herum. Als ihre jüngere Schwester Fatma schwanger wird, entsteht ein familiäres Dilemma. Der Vater besteht darauf, dass zunächst die ältere Tochter heiraten muss, bevor Fatma ihren Partner ehelichen darf. Hatice hat einen festen Freund namens Stefan, der sich bei einem Familientreffen in Salzgitter mit ihr verloben soll. Auf dem Weg dorthin kommt es jedoch zum Streit. Stefan versucht sich krampfhaft als authentischer Türke zu präsentieren und verfällt dabei in peinliche Klischees. Das geplante Abendessen findet ohne ihn statt.
Als Hatice und Stefan sich endgültig trennen, gerät sie unter Druck. Fatma drängt auf eine Lösung, und Hatice überredet kurzerhand ihren schwulen Bekannten Gero, die Rolle des Verlobten zu übernehmen. Die Täuschung fliegt auf, als Gero mit dem Sohn des örtlichen Gemüsehändlers anbandelt. Der Vater ist enttäuscht, die Schwestern stehen vor einem neuen Problem. Es muss schnellstmöglich ein echter Kandidat her. Die Suche gestaltet sich schwierig und führt zu einer Reihe von Fehlschlägen. Als Hatice bereits resignieren will, lernt sie den attraktiven und charmanten Hannes kennen. Die beiden entwickeln Gefühle füreinander und gehen eine Beziehung ein.
Bei der Hochzeit einer Nichte soll Hannes den Eltern vorgestellt werden. Ausgerechnet an diesem Tag findet jedoch ein wichtiges Basketballspiel statt, bei dem Hannes aktiv ist. Am Vorabend der Hochzeit setzt der Vater Hatice unter Druck. Sie besucht daraufhin das Spiel, lenkt Hannes im entscheidenden Moment ab und trägt so zur Niederlage seiner Mannschaft bei. Es kommt zum Streit, und die Beziehung zerbricht. Am nächsten Tag präsentiert Hatice den Eltern Thorsten, mit dem sie zuvor ein missglücktes Date hatte, als ihren Verlobten Hannes. Die Täuschung scheint zunächst zu funktionieren.
Als bei der Hochzeitsfeier der echte Hannes erscheint und sich mit Hatice versöhnen möchte, bricht die Lüge zusammen. Der Vater ist außer sich und verstößt seine Tochter aus der Familie. Die weiblichen Familienmitglieder stellen sich jedoch gegen seine Entscheidung. Gemeinsam überzeugen sie ihn, Hatice wieder aufzunehmen und Fatma auch ohne vorherige Hochzeit der älteren Schwester heiraten zu lassen. Bei der Anprobe des Brautkleides wird schließlich deutlich, dass der Vater längst von Fatmas Schwangerschaft wusste und seine Sturheit möglicherweise nur gespielt war.
Buket Alakuş wählt eine konventionelle Inszenierungsweise, die sich auf die Darsteller konzentriert und auf visuelle Experimente verzichtet. Die Kameraarbeit von Jutta Pohlmann bleibt klassisch, verlässt sich auf bewährte Einstellungen und lässt Raum für die schauspielerische Leistung. İdil Üner gibt Hatice eine Mischung aus Selbstbewusstsein und Verunsicherung, wobei ihre Figur zwischen zwei Welten pendelt. Adnan Maral verkörpert den Vater mit einer Mischung aus Strenge und unterschwelliger Wärme, die erst spät sichtbar wird.
Die Stärke des Film „Einmal Hans mit scharfer Soße“ liegt in seiner unprätentiösen Darstellung alltäglicher Konflikte zwischen familiären Erwartungen und persönlicher Freiheit. Alakuş verzichtet auf drastische Zuspitzungen und setzt stattdessen auf nachvollziehbare Situationskomik. Die Szene, in der Gero hinter dem Rücken der Eltern von Fatma pantomimisch dirigiert wird, zeigt diese Leichtigkeit. Allerdings bleibt die dramaturgische Entwicklung im Film vorhersehbar, da sich die Muster wiederholen.
Letzte Aktualisierung am 13.02.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API