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Wenn die Temperaturen sinken, stellt der Winter Fahrzeuge vor besondere Herausforderungen. Frost, Schnee und Eis belasten nicht nur die Reifen, sondern auch technische Komponenten wie Batterie, Kühlsystem und Scheibenwischanlage. Viele Autofahrer unterschätzen dabei die Notwendigkeit rechtzeitiger Vorbereitungen. Eine leere Batterie am frühen Morgen oder eingefrorene Flüssigkeiten können schnell zu kostspieligen Pannen führen.
Die Wintervorbereitung des Fahrzeugs umfasst drei wesentliche Bereiche: die richtige Bereifung, den Schutz sämtlicher Flüssigkeiten vor Frost sowie die Funktionstüchtigkeit der Batterie. Wer diese Punkte gewissenhaft umsetzt, minimiert das Pannenrisiko erheblich. Dieser Artikel zeigt konkret, welche Maßnahmen erforderlich sind und wie sie fachgerecht durchgeführt werden.
In Deutschland gilt seit Jahren eine situative Winterreifenpflicht gemäß Straßenverkehrsordnung. Bei winterlichen Straßenverhältnissen wie Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Reifglätte müssen Fahrzeuge mit geeigneten Reifen ausgestattet sein. Seit Oktober 2024 reicht die alte M+S-Kennzeichnung nicht mehr aus – nur Reifen mit dem Alpine-Symbol erfüllen die gesetzlichen Anforderungen. Dieses Bergpiktogramm mit Schneeflocke bestätigt, dass der Reifen standardisierte Wintertests bestanden hat. Ganzjahresreifen sind erlaubt, sofern sie ebenfalls dieses Symbol tragen.
Wer bei winterlichen Bedingungen ohne passende Reifen fährt, riskiert mindestens 60 Euro Bußgeld sowie einen Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer steigen die Strafen auf 80 Euro. Kritischer noch: Bei einem Unfall können fehlende Winterreifen zur Mithaftung führen, selbst wenn man nicht der Unfallverursacher war. Kaskoversicherungen kürzen in solchen Fällen häufig ihre Leistungen erheblich. Die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners zahlt möglicherweise nur teilweise, wenn nachweisbar ist, dass ungeeignete Bereifung den Unfall mitverursacht hat.
Obwohl gesetzlich nur 1,6 Millimeter Profiltiefe vorgeschrieben sind, empfehlen Automobilclubs wie der ADAC deutlich mehr. Winterreifen sollten mindestens vier Millimeter aufweisen, um ausreichend Sicherheit zu gewährleisten. Unterhalb dieser Marke verlängert sich der Bremsweg bei winterlichen Verhältnissen drastisch. Tests zeigen: Bei abgefahrenen Reifen mit zwei Millimetern Profil verlängert sich der Bremsweg um bis zu zehn Prozent gegenüber solchen mit vier Millimetern. Im Vergleich zu Neureifen mit acht bis neun Millimetern beträgt die Verlängerung sogar fast 25 Prozent.
Die Profiltiefe lässt sich einfach mit einer Ein-Euro-Münze prüfen. Verschwindet der goldene Rand vollständig im Profil, sind noch mindestens drei Millimeter vorhanden. Bei Winterreifen empfiehlt sich eine Zwei-Euro-Münze: Hier zeigt der silberne Rand etwa vier Millimeter an. Alternativ bieten Tankstellen und Werkstätten spezielle Profiltiefenmesser an. Eine regelmäßige Kontrolle lohnt sich, denn abgefahrene Reifen verschlechtern nicht nur die Haftung bei Schnee und Eis, sondern auch das Aquaplaning-Verhalten bei Nässe erheblich.
Eine eingefrorene Scheibenwischanlage gehört zu den häufigsten Winterproblemen. Reines Wasser gefriert bei null Grad Celsius und macht die Anlage unbrauchbar, während gleichzeitig die Sicht durch Salzfilm und Schmutz beeinträchtigt wird. Scheibenfrostschutz verhindert das Einfrieren der Leitungen und Düsen bis zu Temperaturen von minus 20 bis minus 30 Grad, je nach Konzentration. Fertigmischungen sind sofort einsatzbereit, während Konzentrate mit Wasser verdünnt werden müssen. Das Mischverhältnis bestimmt die Frostfestigkeit: Je höher der Anteil an Frostschutzmittel, desto tiefer liegt der Gefrierpunkt.
Der ADAC empfiehlt eine Mischung, die mindestens minus 20 Grad standhält. Dies berücksichtigt, dass gerade die Frontscheibe während der Fahrt durch eisigen Fahrtwind zusätzlich abkühlt. Im Herbst sollte das Sommerprodukt möglichst vollständig verbraucht werden, bevor der Winterreiniger eingefüllt wird. Eine Vermischung beider Produkte reduziert die Schutzwirkung erheblich. Billige Produkte können zwar ebenfalls vor Frost schützen, verursachen aber häufig Schmierfilme auf der Scheibe, die die Sicht beeinträchtigen. Hochwertige Markenprodukte kombinieren Frostschutz mit guter Reinigungsleistung und hinterlassen klare Scheiben.
Das Kühlsystem eines Fahrzeugs erfüllt weit mehr Aufgaben als nur die Temperaturregulierung. Frostschutzmittel verhindert im Winter das Einfrieren der Kühlflüssigkeit, was ohne Schutz zu schweren Motorschäden führen kann. Gefrorenes Kühlwasser dehnt sich aus und kann Leitungen, Kühler oder sogar den Motorblock beschädigen. Gleichzeitig wirkt das Frostschutzmittel als Korrosionsschutz für metallische Komponenten wie Wasserpumpe und Kühlkanäle. Es verhindert zudem mineralische Ablagerungen, die den Kühlkreislauf verstopfen könnten.
Die Kontrolle sollte zweimal jährlich erfolgen, am besten vor Wintereinbruch und im Frühjahr. Mit speziellen Prüfspindeln lässt sich der Frostschutzgehalt messen – dieser sollte Temperaturen bis minus 25 Grad Celsius standhalten. Das Mischverhältnis zwischen Wasser und Frostschutzmittel beträgt üblicherweise 50:50 oder 60:40, abhängig von den Herstellervorgaben. Wichtig: Verschiedene Frostschutzmittel niemals mischen, da dies zu chemischen Reaktionen führen kann. Die Farbe des Kühlmittels (blau, rot, grün oder violett) gibt keinen zuverlässigen Aufschluss über die Zusammensetzung. Deshalb muss stets die Betriebsanleitung konsultiert werden, um das passende Produkt zu wählen.
Leere Batterien sind die häufigste Pannenursache in Deutschland, besonders in den Wintermonaten. Bei Minusgraden liefert eine Autobatterie nur noch etwa 65 Prozent ihrer normalen Leistung, während gleichzeitig Verbraucher wie Heckscheibenheizung, Gebläse und Sitzheizung massiv Energie ziehen. Der Startvorgang bei kaltem Motor erfordert deutlich mehr Kraft als im Sommer. Kommt noch eine ältere oder vorgeschädigte Batterie hinzu, ist der Ausfall programmiert. Kurzstrecken unter zehn Kilometern belasten die Batterie zusätzlich, da sie kaum Zeit hat, sich während der Fahrt wieder aufzuladen.
Eine einfache Sichtprüfung kann erste Hinweise geben: Korrosion an den Polen oder ein aufgeblähtes Gehäuse deuten auf Probleme hin. Die meisten Batterien halten fünf bis sieben Jahre, hochwertige Modelle auch über zehn Jahre. Das Produktionsdatum lässt sich auf der Batterie ablesen. Präventiv hilft es, vor dem Winter die Batteriespannung in einer Werkstatt prüfen zu lassen. Moderne Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik benötigen spezielle AGM- oder EFB-Batterien, die höhere Belastungen verkraften. Bei häufigen Kurzstreckenfahrten empfiehlt sich gelegentliches Nachladen mit einem geeigneten Ladegerät über Nacht.
Wenn die Batterie trotz aller Vorsicht versagt, hilft oft nur noch Starthilfe durch ein zweites Fahrzeug. Die korrekte Reihenfolge beim Überbrücken ist dabei essenziell, um Schäden an der Elektronik zu vermeiden. Zunächst sollten beide Fahrzeuge möglichst nah beieinander stehen, ohne sich zu berühren. Beide Motoren müssen ausgeschaltet sein, alle Verbraucher ebenfalls. Das rote Kabel wird zuerst an den Pluspol der leeren Batterie geklemmt, danach an den Pluspol des Spenderautos. Anschließend kommt das schwarze Kabel an den Minuspol der Spenderbatterie. Das andere Ende wird nicht an den Minuspol der leeren Batterie geklemmt, sondern an ein unlackiertes Metallteil am Motorblock des Pannenautos – dies verhindert Funkenbildung an der Batterie.
Nach korrektem Anschluss wird der Motor des Spenderfahrzeugs gestartet und kurz laufen gelassen. Dann folgt der Startversuch beim Pannenauto. Läuft der Motor, sollten sofort größere Verbraucher wie Gebläse eingeschaltet werden, um Spannungsspitzen abzufangen. Die Kabel werden in umgekehrter Reihenfolge entfernt: erst das schwarze vom Motorblock, dann vom Spenderauto, danach das rote vom Spenderauto und zuletzt von der überbrückten Batterie. Eine anschließende Fahrt von mindestens 45 Minuten auf freier Strecke lädt die Batterie wieder auf. Häufige Fehler wie das Verwechseln der Pole können die Bordelektronik zerstören und Kosten von mehreren tausend Euro verursachen.