Shahada

Der Film „Shahada“ setzt sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen persönlicher Freiheit und religiösem Anspruch auseinander. Als Episodenfilm erzählt er nicht voneinander getrennte Geschichten, sondern verknüpfte Entwicklungen in einem urbanen, multikulturellen Umfeld. Das Genre rahmt nicht nur Form und Struktur, sondern schärft auch den Blick für gesellschaftliche Bruchlinien, wie sie im Alltagsleben junger Muslim:innen in Europa sichtbar werden.

Shahada
  • Maryam Zaree, Jeremias Acheampong, Vedat Erincin (Schauspieler)
  • Burhan Qurbani(Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 12 Jahren

Während des Fastenmonats Ramadan geraten drei Figuren in Berlin in existenzielle Konflikte. Maryam, Sammi und Ismail stehen vor Fragen, die ihr Leben verändern: Glaube, Körper, Schuld, Nähe. Sie treffen Entscheidungen, deren Konsequenzen sie in die Moschee von Maryams Vater führen – einem Ort, der zugleich Halt und Widerspruch bietet. Worin liegt die Kraft dieses stillen, kühlen Films?

Drehorte, Regie und Besetzung von „Shahada“

Der Film „Shahada“ erschien 2010 und entstand unter der Regie von Burhan Qurbani, der gemeinsam mit Ole Giec auch das Drehbuch schrieb. In der Besetzung spielt Maryam Zaree die Rolle der Maryam, Jerry Hoffmann verkörpert Sammi und Carlo Ljubek tritt als Ismail auf. Marija Škaričić übernimmt die Rolle der Leyla, Sergej Moya spielt Daniel. Vedat Erincin erscheint als Vedat, Anne Ratte-Polle als Sarah, Nora Abdel-Maksoud als Renan und Burak Yiğit als Sinan. Der Film wurde von bittersuess pictures zusammen mit der Filmakademie Baden-Württemberg und dem ZDF produziert. Yoshi Heimrath führte die Kamera, Simon Blasi war für den Schnitt verantwortlich.

„Shahada“ wurde in Deutschland gedreht und lief im Wettbewerb der Berlinale 2010. Mit einer Laufzeit von 95 Minuten erhielt der Film eine Altersfreigabe ab 12 Jahren. Er thematisiert auf episodische Weise zentrale Aspekte muslimischer Lebenswirklichkeit in Deutschland. Die Erzählstruktur greift die fünf Säulen des Islam auf. Ausgezeichnet wurde der Film mehrfach, darunter mit dem Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater und dem Filmkunstpreis in Ludwigshafen. Maryam Zaree erhielt internationale Darstellerpreise. Der Film wurde weltweit mit 171.231 US-Dollar eingespielt.

Handlung vom Film „Shahada“

In „Shahada“ stehen drei junge Menschen im Zentrum, deren Glaube im Alltag herausgefordert wird. Maryam lebt ein modernes Leben, beginnt jedoch nach einer Abtreibung, sich wieder stärker ihrer Religion zuzuwenden. Ihr Vater, ein liberaler Imam, versteht den plötzlichen Wandel seiner Tochter nicht. Zwischen beiden entsteht eine wachsende Distanz. Maryam beginnt, Regeln ernster zu nehmen, als es ihre Familie gewohnt ist. Währenddessen kämpft Ismail, ein Polizist mit türkischem Hintergrund, mit Schuldgefühlen. Ein Unfall im Dienst erschüttert ihn so sehr, dass er Frau und Kind zurücklässt, um sich selbst zu bestrafen.

Sammi, ein junger Nigerianer, ist innerlich zerrissen. Seine Homosexualität steht im Widerspruch zu seiner religiösen Erziehung. Als er sich verliebt, wächst der Druck. Aus Angst vor gesellschaftlicher Ablehnung verleugnet er seine Gefühle – und verrät die Beziehung. Alle drei Figuren suchen Orientierung und stoßen dabei an die Grenzen ihres Glaubens und ihrer Identität. In der Berliner Moschee, geführt von Imam Vedat, kreuzen sich ihre Wege. Dort prallen unterschiedliche Vorstellungen von Religion, Moral und persönlicher Freiheit aufeinander. Jeder der drei muss entscheiden, wie viel Raum der eigene Glaube im Leben einnehmen darf – und zu welchem Preis.

Filmkritik von „Shahada“

Shahada“ arbeitet mit starken Bildern, doch der Film wirkt uneinheitlich und streckenweise formelhaft. Regisseur Burhan Qurbani verwebt drei Episoden, die thematisch um Glauben und Identität kreisen, in einer klar strukturierten Dramaturgie, die an religiöse Rituale erinnert. Die Kamera fängt Berlin oft nüchtern und direkt ein, was den dokumentarischen Charakter unterstreicht. Dialoge und Szenen wirken manchmal konstruiert, sodass Figuren eher ideelle Konflikte tragen als lebendige Menschen. Eine Schlüsselszene zeigt Maryam, wie sie sich in einer Koranstunde isoliert von anderen verhält und so ihre innere Zerrissenheit sichtbar macht. Diese Einstellung verdeutlicht die Bildsprache, die häufig stärker ist als das erzählerische Zentrum.

Die Schauspielenden überzeugen in vielen Momenten. Maryam Zaree trägt die komplexesten Übergänge mit großer Intensität und verleiht innerer Unsicherheit greifbare Präsenz. Carlo Ljubek liefert eine subtile Darstellung, die stimmig bleibt, auch wenn seine Figur dramaturgisch weniger ausgebaut ist. Sammi zeigt glaubwürdig den inneren Druck zwischen persönlichen Bedürfnissen und tradierten Normen. Dennoch lassen narrative Sprünge Raum für Spekulation statt Klarheit. „Shahada“ funktioniert, wenn er Diskussionen über Identität anregen will, erreicht aber nicht durchgehend cineastische Tiefe. Ein anspruchsvoller Film für ein interessiertes Publikum.

Letzte Aktualisierung am 8.01.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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