Corona » Des einen Leid, des anderen Freud

Corona Paar

Der November 2021 war für Hersteller und Vertreiber von Sexspielzeug der erfolgreichste seit Jahren. Im 11. Monat des Jahres verzeichneten deutsche Unternehmen aus dem Bereich des Erotikversandhandels eine Steigerung der Bestellungen um etwa 60 Prozent, vor allem in NRW wurde viel gekauft. Die Händler erklären sich diese Nachfragesteigerung durch die Corona Krise und die damit zusammenhängenden Kontaktbeschränkungen.

Durch die weltweit grassierende Pandemie haben viele Wirtschaftszweige gelitten und nachhaltige Schäden davongetragen. Allen voran die Gastronomie und Freizeitetablissements wie Diskotheken und Freizeitparks, jedoch auch der Einzelhandel musste starke Umsatzrückgänge hinnehmen. Immer mehr Käufe werden nun online abgehandelt. Die Branche, die durch Corona eher profitiert hat, ist der Onlinehandel mit Sexspielzeugen, Dessous und Kondomen, denn die Menschen verbringen nun mehr Zeit in den eigenen vier Wänden, ob nun mit Partner oder als Single. Einer der Verkaufsschlager mit starkem Zuwachs an Nachfrage ist zum Beispiel der fleshlight masturbator, denn durch die Kontaktbeschränkungen sind Themen wie Dating im Moment eher schwer umzusetzen und mit Hilfsmitteln dieser Art können es sich auch Singlemänner in den eigenen vier Wänden gut gehen lassen.

Händler in NRW melden dickes Umsatzplus bei Sexspielzeug und Kondomen

Verschiedene Händler aus Deutschland teilten mit, dass die Verkaufszahlen mit dem Eintreten der erneuten Kontaktbeschränkungen nach dem Sommer wiederholt deutlich anstiegen. Der generierte Umsatz von Händlern in NRW – was in Deutschland an der Spitze steht, wenn es um den Umsatz mit Sexspielzeug geht – steigerte sich zum Vormonat um etwa 60 % und zum November des Vorjahres immer noch um etwa ein Drittel.

 

YouTube Video
Klicken um den Inhalt von YouTube anzusehen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube

Laut Stimmen aus der Branche spielt hier der sogenannte „Lipstick Effect“ eine große Rolle. Durch die Pandemie werden viele Bürger auch vor wirtschaftliche Herausforderungen gestellt. Sei es der Jobverlust oder einfach weniger finanzielle Planungssicherheit, was die eigene Zukunft angeht. Aus diesen Gründen werden Großanschaffungen wie neues Mobiliar, ein neuer Pampersbomber für die Einfahrt oder andere kostspielige Luxusanschaffungen erst einmal zurückgestellt. Stattdessen erfreut man sich an den kleineren, nicht so teuren Dingen, die einem selbst oder auch dem Partner genauso viel Freude bereiten können. Eine Kundin erfreut sich vielleicht am Lippenstift, bei Paaren gibt es Dessous oder auch die verschiedensten Sexspielzeuge, wie Dildos, oder auch fleshlight girls, worüber sich der Herr des Hauses sicher freuen wird. Was uns die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen lehrt ist, dass es auch kleine Sachen sein können, über die man sich wirklich ehrlich und nachhaltig freuen kann.

Onlinehändler wie zum Beispiel Beathe Uhse hatten mit Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020 ihren absatzstärksten Markt, gefolgt vom konservativen Bayern und Baden-Württemberg. Zur Käuferschaft zählen laut den Versandhändlern nun aber auch immer mehr Paare, die in den letzten Monaten zunehmend mehr Zeit gemeinsam verbracht haben. In den vielen Monaten der Kontaktbeschränkungen sind dann wohl auch die größten Spielesammlungen bzw. beliebte Spiele am PC langweilig geworden und es wurde in die Trickkiste des Sexspielzeugs gegriffen. Ein sehr stark nachgefragtes Produkt, das mehrere Einsatzmöglichkeiten bietet, auch außerhalb des Bettes: Der Handliche Massagestab, der sowohl mit einem Massagekopf zur Lockerung von Verspannungen, oder der sanften Massage zur Steigerung der Lust ausgestattet ist, als auch mit einem demontierbaren Dildo. Man könnte fast von der „Eierlegenden Wollmilchsau“ der Sexspielzeuge sprechen, bringt Freude ins Bett und kann gleichermaßen für Entspannung nach einem anstrengenden Tag im Homeoffice sorgen.

Umsatz stärker wie sonst im November

Der November ist für Onlinehändler aus der Erotikbranche sowieso schon einer der stärksten Monate des Jahres, denn hier ist die Nachfrage nach den jährlich erscheinenden Adventskalendern am größten. Die Kalender werden im Vorwege beworben, sind mit hochwertigen Produkten aus dem eigenen Sortiment bestückt und oftmals schon nach wenigen Tagen vergriffen. Meist ist der Warenwert der enthaltenen Produkte um ein Vielfaches Höher als der Kaufpreis, die erklärt auch die immense Nachfrage und den dadurch entstehenden „Schwarzmarkt“ Handel auf Kleinanzeigenportalen. Hier werden die gefragten Kalender dann gut und gerne mal zum doppelten Preis des UVPs gehandelt.

zuwachs von Sexspielzeugen

Wie um die meisten anderen Themen auch, haben sich um die Themen Sexualität und Erotik, Aufklärung, sexuelle Gleichberechtigung etc. Gruppierungen von Influencern und Bloggern gegründet. In Zeiten der Pandemie können diese sich vor Nachfrage kaum retten, sowohl von Herstellerseite zum Bewerben der eigenen Produkte und Services als auch von Seite der Follower und Kunden. Durch das Mehr an Zweisamkeit wurde das Thema Sexualität mehr und mehr beleuchtet und gewann auch immer mehr an Wichtigkeit. Auf der einen Seite sind es Sexualpädagogen oder Ärzte die in ihren Onlineauftritten in den sozialen Medien der Followerschaft Rede und Antwort zu den verschiedensten Themen stehen. Auf der anderen Seite sind es die Erotik Influencer auf OnlyFans und Co. die Produkte an den Mann bzw. die Frau bringen.

Corona Pandemie beschert dem Erotik Online-Handel ein Extra-Plus

Im Großen und Ganzen ist neben der Steigerung der Umsätze in dieser Branche auch eine Verlagerung der Aktivitäten, ob nun auf Hersteller oder auf Kundenseite zu erkennen. Die Produkte werden online gekauft, was es sicher kleineren Händlern ohne Onlinepräsenz schwer machen wird zu überleben. Die Nutzer der Produkte können sich des Angebots an Know-how im Internet bedienen und das alles auch noch anonym. Dies trägt mittel- bis langfristig vielleicht ja zu einem entspannteren Umgang mit dem Thema Sexualität bei. Weniger Tabuisierung, mehr Aufklärung und dadurch ein insgesamt gesünderer Umgang mit diesem Thema – es ist also nicht alles schlecht, was Corona mit sich bringt.